Langzeitbericht: Die slow O

Gerade angekommen: Die Slow Watch! Mehr Infos bald! #slowwatch

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Zu der Zeit, als Smartphones noch Handys waren und nicht viel mehr konnten als Telefonie, SMS und Snake, habe ich mein Handy zum größten Teil nur in die Hand genommen, um auf die Uhr zu gucken.

Heutzutage, wenn ich auf mein Smartphone sehe, um auf die Uhr zu gucken, dann sehe ich auch sofort, ob ich von irgendwem irgendwo angeschrieben worden bin und, oh! da kam auch ne Mail. Und ist eigentlich was bei Facebook passiert? Ihr kennt das.

Ich finde das problematisch. Weil ich sonst keine Uhr trage, auch auf dem Nachttisch keine habe und dann Morgens oder Abends auf das Smartphone gucke, ich kann dann auch nicht widerstehen, zu gucken, was da gekommen ist, sobald ist sehe, dass was gekommen ist.

Deshalb habe ich mir irgendwann den Lies lieber ein Buch-Wallpaper auf das Smartphone geladen, um weniger am Telefon zu hängen. Was das Uhrzeitenproblem nicht löst. Gegen eine normale Uhr habe ich mich gewehrt. Ich dachte, sobald ich eine Uhr trage, habe ich die grauen Herren immer hinter mir stehen, dann bin ich vollkommener Sklave der Zeit.

Und dann bin ich auf die Uhren von slow gestoßen. Schaut sie euch an, verweilt einen Moment beim Zeiger. Dann seht ihr die Besonderheit.

Good times always happen now. Be slow. #enjoylife #swissmade #timetobeslow #theslowwatch

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Zwei Konzepte, die hier vereint werden. Zum einen sind die Uhren von slow Einzeigeruhren, nur die Stunden werden angezeigt. Zum anderen werden auf dem Ziffernblatt 24 Stunden abgebildet. Pro Tag kreist der Zeiger dieser Uhr nur einmal. Deshalb wird die Zeitanzeige leichter, weil nach kurzer Eingewöhnungszeit kann man auf den ersten Blick sehr schnell die ungefähre Uhrzeit erkennen. Das Ablesen der exakten Uhrzeit wird dagegen schwerer. Genau das ist das Konzept:

Bei einer slow Uhr geht es darum, sich auf das, was wirklich wichtig ist, zu konzentrieren. (…) Das 24-Stunden-Zifferblatt gibt euch einen perfekten Überblick des gesamten Tages. Das ist grundsätzlich anders als bei normalen Uhren und gibt euch so die Chance, ein besseres Bewusstsein für eben den ganzen Tag zu schaffen. Und wie ihr diesen angeht.

slow wirbt damit, dass diese Uhr unsere Leben verändern wird. Das Konzept und das Aussehen des jüngsten Modells, der slow O, haben mich neugierig gefragt und ich habe bei slow nachgefragt, ob ich die slow O ausführlich testen dürfte. Die Jungs sagten ja und nun trage ich die slow O 10 seit einem halben Jahr am Handgelenk.

Gerade diese Ausführung mit ihrem blauem Band ist auffällig, schon bevor man das Ziffernblatt sieht. Als sie auch noch ganz frisch aus der Packung kam, sah das Band auch zu krass, zu künstlich und dadurch extrem billig aus. Mittlerweile ist die Uhr eingetragen, Glas und Gehäuse haben ein paar Kratzer abbekommen und das Band hat seinen Vintage-Look, den es haben soll. Für einen meiner Art, der sonst keine Uhren trägt, fällt das Gewicht auf, das plötzlich am Handgelenk ist. Es ist ein gutes Gewicht, ein hochwertiges Gefühl, die Uhr zu tragen.

Ich habe ein paar Wochen gebraucht um mich an das Gewicht an meinem Handgelenkt zu gewöhnen. Und daran, die Uhr auch zu nutzen. Nach Jahren der Routine, in die Tasche zu greifen, um das Smartphone herauszuholen, muss ich mich erst selbst disziplinieren, auf das Handgelenk zu sehen. Aber irgendwann habe ich meine neue Routine, jetzt fehlt mir die Uhr, wenn ich sie nicht am Handgelenk habe. Und sie macht genau, was mir versprochen wurde: Sie nimmt Geschwindigkeit heraus.

Bei jedem Betrachten der Uhr erinnert sie mich, dass es gar nicht so wichtig ist, wieviel Uhr es ist. Manchmal betrachte ich sie auch einfach, weil ich sie sehr schön finde. Und zeigt tatsächlich den ganzen Tag. Zeigt mir, wann im Tag ich stehe.

Natürlich gibt es genügend Momente, bei der ich eine exaktere Uhrzeit brauche, besonders als Pendler, der viel in der Bahn sitzt. Und wenn ich dann aufs Handy gucke, dann gucke ich immer noch, was sonst so passiert. Aber ich gucke grundsätzlich weniger aufs Handy.

Problematischer ist es, wenn ich vor dem Computer sitze. Dort ist immer die genaue Zeit eingeblendet. Dafür wünschte ich, es gäbe eine slow-Wanduhr. Ich frage die Jungs mal, ob das geplant ist. Genauso spannend wäre es, ob auch eine Automatikuhr geplant ist, was die Uhren auf ein weiteres Level heben würden.

Was sich als überraschend schwer herausgestellt hat, ist das Uhrzeit stellen.

Gerade weil die Uhrzeit so grob ist, ist das genaue Stellen sehr wichtig, weil sonst aus „etwa“ einfach „falsch“ wird. Aber nach ein paar Versuchen hat auch das geklappt.

Immer noch werde ich regelmäßig auf die Uhr angesprochen, besonders, wenn jemand auf ihr die Uhrzeit zu lesen versucht und erstmal irritiert ist. Aber sobald sie es verstehen, sind sie fasziniert. Ich bin es immer noch. Täglich erinnert mich die Uhr am Handgelenk daran, weniger auf die Zeit zu achten. Paradox, aber es funktioniert wunderbar.

Die Uhren von slow werden euer Leben nicht automatisch ändern, aber sie helfen euch dabei, es selbst in die Hand zu nehmen.

Vielen Dank an die Jungs von slow für das Bereitstellen des Testexemplars!

Straßenpoesie: Literatur unserer Generation

Jeder Buchstabe, nicht nur die meinigen, ein Schlag, jede Zeile ein heller Glockenton, eine unendliche Melodie, die zwar immer ähnlich, aber niemals gleich erscholl. Ein geschäftiges Treiben, man hörte die Spannung, die Arbeit, die Energie und in den seltenen Momenten von Ruhe, die winzigen Augenblicke, in welchen Niemand auf eine der 48 Tasten vor sich hieb, hörte man Gedanken wachsen wie das Gras. Wir arbeiteten nicht nur, wir erschufen.

Gegen Abend wurde die Melodie langsamer, manchmal sogar melancholisch. Die Menschen rieben die Fingerkuppen, streichelten die Sehnen und ließen die Knochen knacken.

Denn Literatur unserer Generation war kein federleichtes Gedicht, geschrieben auf Pergament mit dem schwungvollen Triumph einer Feder, sie war laut und dreckig, voller Schimpfwörter, sie tat weh und wir spürten sie noch nachts, wenn wir in Träumen auf unsichtbaren Tastaturen weiterhieben.

Aber wenn wir die verschwommenen Bilder der Demonstranten auf der Straße sahen, die Zeitungen verschmiert von der zu früh berührten Schwärze, wenn wir aus dem Fenster sahen, wo auf unserer Straße mehrere Banner gespannt waren, wenn wir unsere Parolen als Echo von den Häuserwänden widerhallen hörten, wussten wir, dass unsere Kunst nicht nur in unseren Köpfen war, sondern sich durch jeden Tastendruck heraus manifestiert hatte und real geworden war.

Geschrieben auf einer Hermes Baby.

Was übrig bleibt: „Nein, nein, es sind nicht Bücher, was Sie suchen, Sie finden es ebensogut in alten Schallplatten,…“

“Nein, nein, es sind nicht Bücher, was Sie suchen, Sie finden es ebensogut in alten Schallplatten, alten Filmen und in alten Freunden, Sie finden es in der Natur und in Ihrem Inneren. Bücher sind nicht die einzigen Behälter, in die wir Dinge einlagerten, die wir zu vergessen fürchteten. An sich haben sie gar nichts Überwirkliches. Ihre Zauberkraft beruht auf dem, was darin stand, in der Art, wir darin aus Fetzen des Weltalls ein Gewand für uns genäht wurde.”

Fahrenheit 451 – Ray Bradbury

Originalpost auf „was übrig bleibt“

„was übrig bleibt“ ist eine Sammlung, sind unterstrichene Sätze, gefundene Worte & liegengebliebene Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Roman: Das Syndrom von John Scalzi

Der erste Satz aus Das Syndrom:

Zufällig fiel mein erster Arbeitstag auf den ersten Tag des Haden-Streiks, und ich gebe ehrlich zu, dass es ein ungünstiges Timing war.

Erinnert ihr euch an Schmetterling und Taucherglocke? An das Locked-In-Syndrom? Stellt euch vor, ein Grippevirus sperrt die Bewusstseine eines signifikanten Anteils der Menschheit in ihre Körper, sodass sie sich nicht mehr bewegen können. Wenn das genügend wichtige Leute betrifft, wird auch etwas dagegen gemacht. In Scalzis Version wird den eingesperrten Menschen, die Haden genannt werden, ein Roboter zur Verfügung gestellt, den sie anstatt ihres eigenes Körpers verwenden, um Teil der Gesellschaft zu sein. Chris ist ein Haden und fängt beim FBI an.

Scalzi baut ein spannendes Science-Fiction-Szenario und lässt darin einen klassischen Krimi spielen Mit Mord und Komplott und Verschwörung. Samt Partnerin, die ihn auf Trab hält. Nur eben ein Stückchen in der Zukunft.

Ich lese Krimis nicht so häufig. Und wenn, dann nicht des Krimis, sondern des Settings wegen. Wie bei William Shaw, dessen Bücher in den 1960ern in London spielen. Bei bei Lauren Beukes, deren Realität immer noch ein gewisses Extra haben. Bei Scalzi ist es genauso. Und dazu kommt, dass Scalzi sehr unterhaltsam, sehr filmisch erzählt: Schnelle Schnitte, gute Dialoge und eine gut verfilmbare Story. Ich habe den Roman in zwei Zugfahren runtergelesen und hatte meinen Spaß dabei, auch wenn es mir manchmal zu viele Namen und Personen auf einmal waren. Zeitweise war ich verwirrt, wer nun wer ist.

Und eine Sache, die Scalzi sich hätte sparen können: Bevor der Roman beginnt, findet man sowas wie einen Wikipedia-Eintrag, der die ganze Sache mit dem Locked-In-Syndrom und den Robotern erklärt. Das bräuchte er nicht. Innerhalb der ersten Seiten der Geschichte versteht man sowieso, wo wir uns befinden und worum es geht. Der Lexikoneintrag macht den Leser dümmer, als er ist. Schade drum.

Die größten Sachen, die mich stören, betreffen aber nicht Scalzi, sondern die deutsche Umsetzung: Das Cover kommt überhaupt nicht an die Geschichte ran und verprellt mögliche Leser. Schlimmer noch, der Titel: Der englische Titel, „Lock In“, konnte wohl nicht verwendet werden, weil der Verlag ein halbes Jahr später einen Roman mit dem Titel „Locked In“ veröffentlicht hat. Dieser heißt im Original „Try Not To Breathe“. Was sind das denn für Überlegungen, so ein Titelchaos anzurichten, das ja nur noch mehr Probleme anrichtet?

Während „Lock In“ schon ziemlich genau sagt, worum es im Roman geht, ist „Das Syndrom“ ein so offener Titel, dass sich niemand etwas drunter vorstellen kann, besonders in Verbindung mit dem Cover. Wenn man also Scalzi nicht kennt, wird man hier leider nicht anfangen ihn zu lesen. Was schade ist, mir hat’s Spaß gemacht. Und ich ahne, dass es noch weitere Geschichten in diesem Setting geben wird. Dafür macht diese Welt zu viel Spaß. Wer nach diesem Roman gleich weiterlesen will, der amerikanische Originalverlag, Tor, hat auf ihrer Homepage eine Kurzgeschichte veröffentlicht, die zum Roman gehört, die die Entstehung der Welt noch besser erklärt: „Unlocked

Achja, und: lest nicht den Klappentext. Er stimmt nicht. Wer hätte das gedacht.

Das Syndrom von John Scalzi wurde übersetzt von Bernhard Kempen und erschien bei Heyne. Der Roman hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Das Lied des Quarktiers von Jasper Fforde

Lesestoff: Das Lied des Quarktiers von Jasper Fforde.

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Der erste Satz aus Das Lied des Quarktiers:

Ich arbeite in der Zaubererindustrie.

Das also ist Teil der der Drachentötertrilogie von Jasper Fforde. Der Roman setzt da ein, wo „Die letzte Drachentöterin“ aufhört: Die Drachen leben, Jennifer Strange war für eine Zeitlang berühmt und das Quarktier hat sich geopfert, damit alle anderen leben können. Danach geht das Leben in der Zaubereragentur KAZAM geht so absurd weiter, wie es immer war. Nur dass es neue Probleme gibt.

Eigentlich total egal. Bücher wie diese liest man nicht der Geschichte, sondern des Lesevergnügen wegen. Das macht den Klappentext auch so schlecht. Um überhaupt etwas sagen zu können, verrät er Dreiviertel des Buches. Aber da das Teil 2 einer Trilogie ist, werden eh kaum Menschen bei diesem Buch anfangen. Wieso also der krude Versuch, die Story auf dem Klappentext wiederzugeben? Wem das erste Buch gefallen hat, der wird auch zu diesem greifen. Und genau diesen Leuten wird auch dieser Teil gefallen, weil wir eben wieder in diese Welt von Jennifer Strange eintauchen können. Diese Welt voller praktischer Magie.

http://wasuebrigbleibt.tumblr.com/post/117421723952/wenn-man-an-jemanden-denkt-und-im-nächsten-moment

Weil sie einfach Spaß macht. Das Absurde, die liebenswerten Figuren, die menschlichen Probleme. Und natürlich auch die Story, dieses „wie geht es weiter?“, das alles zusammenhält.

Klar, ich bin nicht die primäre Zielgruppe der Drachentöter-Trilogie, sie wird explizit als Jugendbuch verkauft. Vielleicht komme ich deshalb nicht klar mit dem Covermotiv und der Schrift auf dem Cover. Ich mag aber auch die Cover von Terry Pratchett-Romanen nicht wirklich, während ich den Inhalt sehr gerne lese.

Hier finde ich es schade, denn Bücher wie dieses, Welten wie diese könnten noch mehr Menschen begeistern, für ein paar Stunden aus unserer Realität in eine gar nicht so ferne Welt entführen und sie Spaß haben lassen. Wenn es sie erreichen würde.

Ich freue mich auf den dritten Teil der Trilogie und hoffe, ich komme irgendwann dazu, auch die restlichen Bücher von Fforde zu lesen.

Das Lied des Quarktiers von Jasper Fforde erschien bei One und wurde übersetzt von Barbara Neeb und Katharina Schmidt. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Film: Mängelexemplar ( + Gewinnspiel)

Ich habe „Mängelexemplar“ kurz nach dem Erscheinen 2009 gelesen. Ich weiß auch nicht mehr, was die Handlung war, aber ich erinnere mich gut an das Gefühl. An das „verstanden fühlen“. Kuttners Stärke in ihren beiden ersten Romanen ist es, Dinge, die man kennt, sehr genau zu beschreiben. Man liest (oder hört) und denkt, ja, genau! So ist es! Sarah Kuttners Figuren waren nie ich, aber ich konnte sie verstehen, konnte ihr Handeln nachvollziehen. Und jetzt kommt die Verfilmung. Davor habe ich den Trailer gesehen, weil, dafür sind sie ja da, oder?

Das Problem ist, dieser hier suggeriert einen Film, den ich nicht sehen möchte. Denn das Gefühl, das ich beim Lesen hatte, kommt hier nicht auf. Der Trailer verspricht mir eine flache Komödie, die auf Lacher und ein paar skurrile Momente und das wäre schade, wenn das alles ist, was von Mängelexemplar übrig bleibt.

Mit diesem mauen Gefühl saß ich in der Pressevorführung, innerlich die Arme verschränkt. Dann aber, knapp 112 Minuten später, bin ich überrascht. Denn Laura Lackmann legt mit ihrem Langfilmdebüt einen Film hin, der es sehr wohl mit dem Gefühl des Romanes aufnehmen kann. Das Gefühl, dass nicht immer alles geil ist, aber am Ende des Tages wenigstens okay. Und natürlich gibt es die Lacher, die im Trailer zusammengeschnitten sind. Aber im Film, ohne die musische Untermalung im Trailer, sind die Szenen eher tragikkomisch und berühren mehr, als der Witz selbst es tut.

Es gibt aber auch ein paar komische Dinge am Film:

  • Der „Mängelexemplar-Moment“: Eine Szene aus dem Roman, die mir sehr gut in Erinnerung ist, ist jene gegen Ende des Buches, in der quasi der Titel des Buches aufgegriffen und erklärt wird. War für mich ein Schlüsselmoment, eine tolle Szene, auf die ich mich gefreut habe. Die leider so nicht vorkommt. Klar, der Inhalt der Szene ist verarbeitet, aber der Titel wird nur indirekt ziemlich am Anfang des Films aufgegriffen. Sehr schade.
  • Das innere Kind und die inneren Monologe: Karos inneres Kind wird visualisiert, als Kind, das die gleichen Klamotten trägt. Und im ganzen Film gibt es immer wieder innere Monologe aus dem Off. Bei beiden Effekte schwanke ich zwischen „Das ist eine coole Lösung“ und „Echt jetzt?“. Weil, das Kind stellenweise viel zu plump eingesetzt wird und die inneren Monologe immer wieder wie Auszüge aus dem Hörbuch klingen, die es bei richtiger Schauspielleistung nicht gebraucht hätte. Caro Eisinger bringt die Leistung auch, und dann sehe ich, was mir gleichzeitig noch erzählt wird. Beide Effekte hätten mir bei dezenterem Einsatz besser gefallen.
  • Inkonsequente Designsprache: Beim Filmplakat hat jemand versucht, das Gefühl des Romanes, das Cover des Romanes durch das verknitterten Papier anzudeuten. Der Schriftzug dagegen ist ein komplett anderer. Ist okay, dachte ich, wird wohl der aus dem Film sein. Falsch gedacht! Im Film wird wieder eine ganz andere Schrift verwendet. Eine viel komödieskere. Irritiert mich. Und führt zum letzten Punkt:
  • Der Trailer: Da wird was verkauft, was nicht geliefert wird. In meinem Fall bin ich froh drum. Aber das heißt, dass man zwei Zielgruppen verprellt: Jene, die das Buch gelesen haben, sagen nach dem Trailer, ne, das ist ja ganz anders, da geh ich nicht rein. Und jene, die das Buch nicht gesehen haben, sehen den Trailer und dann den Film und sagen: Ja, ne, das war ja gar keine Komödie. Ist doch für alle dumm. Könnte man nicht wenigstens einen zweiten Trailer schneiden, der nicht ganz so komödiantisch rüberkommt?

Vielleicht ist es ganz gut, dass meine Lektüre schon länger her ist, weil bestimmt ganz viel anders ist, als im Buch. Aber es ist eine gute Interpretation des Stoffes, ein schöner Gefühlsübermittler. Er wird nicht mein bester Film des Jahres, aber er ist bei weitem besser, als der Trailer es vermuten lässt.

Mängelexemplar läuft ab 12. Mai im Kino.

Zur Vorfreude gibts ein Gewinnspiel!

Ich darf zwei Filmpakete verlosen, die jeweils das Filmplakat (höchstwahrscheinlich größer, als im Bild) und den Roman beinhalten. Hinterlasst einen Kommentar (mit gültiger Mailadresse), bis zum 5. Mai 23:59 Uhr. Unter allen Kommentaren werden zwei Gewinner gelost.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, natürlich. Die Gewinne werden von X-Verleih zur Verfügung gestellt, diese versenden sie auch. Viel Glück wünsche ich.

Kurzgeschichtensammlung: Basar der bösen Träume von Stephen KIng

Lesestoff: Basar der bösen Träume von Stephen King.

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Der erste Satz aus Basar der bösen Träume:

Manche dieser Geschichten wurden bereits anderswo veröffentlicht, was jedoch nicht heißt, sie wären jemals fertig gewesen oder wären es jetzt.

In einer der ersten Ankündigungen zu diesem Buch las ich, dass Stephen King zum ersten Mal seit „Das Leben und das Schreiben“ stärker auf den Prozess des Schreibens eingehen will und, gemischt mit Kurzgeschichten, auch Tipps zum Schreiben geben möchte. Ich lese sowieso viel, was Stephen King produziert, wenn es dann auch noch Schreibtipps beinhaltet, umso besser.

Anfang des Jahres ist das Buch in Deutschland erschienen, 20 Geschichten, von 16 verschiedenen Übersetzern ins Deutsche übertragen. Tatsächlich hat jede Geschichte ein eigenes Vorwort, eine Entstehungsgeschichte. Das ist für Stephen King nichts Neues, all seine Bücher haben ein Nachwort, in welchem die Entstehungsgeschichte des jeweiligen Romans erklärt wird. In diesem Fall fällt diese zwar ein wenig ausführlicher aus, „Tipps zum Schreiben“ würde ich das aber nicht nennen. In dieser Hinsicht ist die Sammlung enttäuschend. Der Fairness halber muss ich aber auch sagen, dass mit den Schreibtipps niemals geworben wurde.

Die Kurzgeschichten selber sind, ähnlich wie Kings Romane, von variierender Qualität. Es gibt auch zwei Gedichte, die ich zwar versucht habe, zu lesen, aber dann überblättert habe. Einerseits komme ich mit Lyrik selten klar, andererseits ist King auch kein Lyriker.  Bis auf diese Gedichte habe ich die Geschichten und Vorworte sehr gern gelesen. Ich mag die Schreibe von Stephen King. Wie schon in der letzten Rezension gesagt, aufgrund seiner Bekanntheit kann King mehr spielen. Anderen Autoren würden viele Dinge wahrscheinlich rausgestrichen werden, weil „man das so nicht macht.“ King macht es einfach und es macht Spaß zu lesen.  Und was durch die Vorworte dann doch klar wird: Stephen King „findet“ seine Geschichten, wie alle anderen auch. Seine Schreibmethoden decken sich an vielen Stellen mit den meinen und den von vielen anderen. Das ist schön, zu lesen. Das gibt mir als Autor ein Gefühl von „ich bin nicht allein“. Ich wusste das auch vorher, aber es ist gut, immer wieder Bestätigung zu bekommen.

Wie gesagt, schön, die Geschichten zu lesen, sie bestätigen auch, dass King bei Weitem nicht der Horror-Typ ist, als der er lange Zeit abgestempelt wurde. Aber ich freue mich auch wieder, länger in eine einzelne Geschichte einzutauchen.

Nebenbei, ich habe auch für ein paar Geschichten ins Hörbuch gehört. Ist David Nathan, kann man sowieso fast immer machen. War er für mich lange Zeit die deutsche Stimme von Johnny Depp, mittlerweile habe ich so viele Stephen King Romane von ihm gehört, dass er mittlerweile eben meine deutsche Stimme von Stephen King.

Basar der bösen Träume von Stephen King wurde übersetzt von Ulrich Blumenbach, Bernhard Kleinschmidt, Karl-Heinz Ebnet, Wulf Bergner, Kristof Kurz, Friedrich Mader, Gunnar Kwisinski, Urban Hofstetter , Jürgen Langowski, Gisbert Haefs, Johann Christoph Maass, Jürgen Bürger , Julian Haefs, Jan Buss, Jakob Schmidt und Friedrich Sommersberg und erschien bei Heyne. Das Hörbuch wurde gesprochen von David Nathan und erschien bei Random House Audio. Der Verlag hat ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Ich als Gast im Podcast des Literaturcafé

Wolfgang und ich haben uns vor kurzem zusammengesetzt und das gemacht, was wir fast immer machen: Über Bücher und den Literaturbetrieb geredet. Diesmal aber haben wir dabei Mikros aufgehabt und das Ganze mitgeschnitten, das Ergebnis ist ein Podcast, den es beim Literaturcafé zu hören gibt. Viel Spaß!

Buch: Landpartie 16, eine literarische Werkschau

Der erste Satz aus der Landpartie 16:

Sie können schreiben.

Wie in anderen künstlerischen Studiengängen gibt es auch in Hildesheim eine Werkschau. Anders als bei temporären Werkschauen gibt es unsere gedruckt und verlegt von zuKlampen! (Das Ausrufezeichen gehört zum Verlagstitel.)

Dieses Jahr mit Beiträgen von Ellinor Brandi, Helene Bukowski, Leander Fischer, Lucan Friedland, Anna Gawlitta, Marius Goldhorn, Jana Güntner, Laura Hatting, Patricia Hempel, Marius Hoffmann, Stefan Holler, Dana Junge, Lisa Krusche, Olivia Kuderewski, Clara Lohss, Milan Lugerth, Judith Martin, Ken Merten, Lydia Mittermayr, Lisa Paetow, Julia Rüegger,Marie-Theres Rüttiger, Marie Saverino, Tim Schauenberg, Mara Schmitz, Amonte Schröder-Jürss, Ole Schwabe, Fiona Sironic, Florian Stern, Jacob Teich, Laura Thürigen Jan Thul, Michael Wolf und mir.

Eigenen Text gedruckt sehen. Immer wieder yeai. #landpartie

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Workshop: Sprache, Ansagen & Interviews am 13. Juni

Das Popbüro Region Stuttgart bietet den Sommer über wieder Montagsseminare an. Dieses vorrangig für junge Musiker und Bands gedachte Angebot umfasst Workshops über Dinge wie Crowdfunding, Künstlermanagement, Steuern für Musiker, aber eben auch solche Sachen wie Sprache, Ansagen und Interviewtraining:

Wie bereite ich mich auf Interviews vor? Fesseln meine Ansagen genauso, wie meine Musik? Und wieso bricht meine Stimme immer wieder weg? In diesem Seminar arbeiten wir an deiner Sprache und deiner Stimme. Daran, was du sagst und wie du es sagst.

Ich habe lange nicht mehr mit dem Popbüro zusammengearbeitet, sind aber tolle Menschen dort und ich freue mich sehr, diesen Workshop machen zu dürfen. Genauso freue ich mich, wenn ihr mitmacht. Alle weiteren Infos findet ihr beim Popbüro.

Gutes altes Sounddesign.

Ich bin ab und an in Stuttgart beim SWR, um ein bisschen was für Features aufzunehmen. Dafür nimmt man die alten Hörspielstudios. Zweigeschössige Räume, mit verschiedenen Böden und Untergründen, Türen, mit unterschiedlichen Klinken und Schlössern, Treppen, Balkone, Fenster, Telefonzellen und allem möglichen Kleinkram. Und verwendet wird heute nur noch ein kleiner Tisch mit einem Mikro und einem Stuhl, um Stimme aufzunehmen. Beim ersten Mal wurde ich durchgeführt und war total begeistert und dann hieß es, „Naja, ist alles ganz schön, aber wir verwenden davon nichts mehr, heute machen wir alles am Computer.“ Und dann sehe ich das und denke, Computer, am Arsch.

Roman: Taqwacore von Michael Muhammad Knight

Der erste Satz aus Taqwacore:

Bismillahir, Rahmanir und so weiter –

Yusef zieht zum Studieren nach Buffalo und seine Eltern sind ziemlich froh, dass er in eine WG zieht, in der nur Muslimen wohnen. Was sie nicht wissen: In dieser WG wird der Islam ganz schön lax gelebt. Oder extrem, wie man es nimmt. Hier kommt der Islam klar mit Sex, Drugs und Rock’n’Roll. Hier versucht eine Generation junger Muslime, den Islam in eine neue Zeit zu bringen.

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Ähnlich wie bei „Unter Null“ von Bret Easton Ellis erzählt Knight keine komplexe Geschichte, sondern beschreibt eine Atmosphäre, eine Szene, die einerseits vollkommen vom Islam durchdrungen ist und ihn auf der anderen Seite sehr speziell ablehnt. Die letzten zehn Seiten des Buches sind Glossar, eine Liste der am häufigsten verwendeten arabischen Ausdrücke. Diese Liste braucht man, ich habe in diesem Buch ein Lesezeichen an der Stelle, wo ich im Roman bin und eines hinten beim Glossar, weil ich andauernd Worte nachschlagen muss.

Aber die irgendwann weiß man einigermaßen, was all die Begriffe bedeuten und dann ist man Teil der Gang, fühlt sich verbunden, versteht ein wenig mehr, was Islam alles bedeuten kann und welche Kämpfe innerhalb dieses Begriffes geführt werden.

Taqwacore kommt auf den ersten Blick provokanter daher, als ich es nach dem Lesen empfunden habe. Was überhaupt nicht enttäuschend gemeint ist. Es ist eine spannende Lektüre, die einem fast nebenher Lebensarten näher bringt, die ich sonst nur gefüllt mit Vorurteilen kenne. Dieser Roman hat einige davon abgebaut.

Taqwacore von Michael Muhammad Knight wurde übersetzt von Yamin von Rauch und erschien irgendwann mal bei Heyne Hardcore, mittlerweile ist er nur noch bei Rogner & Bernhard zu haben.

 

Audio: Ich hatte nichts gegen Werbung, aber dagegen, überallhin verfolgt zu werden, eine Erzählung von Jacques Mattheij

Jacques Mattheij hat eine Erzählung namens „Tracker“ geschrieben, die beschreibt, was passiert, wenn Tracker in realen Welt unterwegs wären. iRights hat die Geschichte von Ina Goertz übersetzen lassen und unter dem Namen „Ich hatte nichts gegen Werbung, aber dagegen, überallhin verfolgt zu werden“ auf Deutsch veröffentlicht. Ich mochte die Erzählung, also habe ich um Erlaubnis gefragt und die knapp 8 Minuten eingesprochen. Danke an Jacques Mattheij, Ina Goertz und iRights.info. Der Text ist übrigens voller Links zu noch mehr Informationen, schaut also nochmal bei iRights.info vorbei. Viel Spaß!

Jacques Mattheij -Ich hatte nichts gegen Werbung, aber dagegen, überallhin verfolgt zu werden (Zum Download Rechtsklick “Ziel speichern unter…”.)