Buch: The Art Of Asking von Amanda Palmer

Lesestoff: The Art of asking von Amanda Palmer. #amreading #afp

A post shared by Fabian Neidhardt (@jahfaby) on

Der erste Satz aus The Art Of Asking:

‚Hat jemand ein Tampon? Ich hab‘ gerade meine Tage bekommen‘, sage ich laut zu niemand Bestimmtem auf der Frauentoilette eines Restaurants in San Francisco oder in der geteilten Toilette auf einem Prager Musikfestival oder zu dem nichtsahnenden Grüppchen in einer Küche auf einer Party in Sydney, München oder Cincinnati.

2013 gibt Musikerin und Künstlerin Amanda Palmer einen TED-Talk über die Kunst des Fragens und erzählt in knapp 14 Minuten von ihrer Erfahrung, was passiert, wenn man Fans und Menschen generell nicht zwingt, für Kunst zu zahlen, sondern sie darum bittet und selbst entscheiden lässt.

Auf die überwältigende Resonanz folgt dieses Buch, das einerseits die Themen des Talks weiter ausführt, autobiografisch erklärt, wieso Amanda Palmer ist, wie sie ist und wie ihre Einstellung zu Kunst und Menschen zustande kommt.

Ich kenne Amanda Palmer vor dem TED Talk nicht, kenne die Musik nicht. Aber vieles im Talk spricht mir zu, also konsumiere ich sie und ihre Kunst und eben dieses Buch.

Sie schreibt lustig und flott, ehrlich und auch naiv. Sie erzählt ihre Geschichten und verbindet ihre Ansichten damit, die meinen sehr ähnlich sind. Auch ich glaube, dass mit ‚Zahl, was du willst‘ und frei verfügbarer Kunst viel zu erreichen ist, und dass Kunst inspiriert und weiterverarbeitet werden kann und sollte.

Und sie ist ein eine weitere Verbindung zwischen verschiedenen Personen und Ansichten, die mir wichtig sind. Sie ist die Ehefrau von Autor Neil Gaiman, er ist signifikanter Teil der Anekdoten und auch seine Art, Geschichten zu erzählen, wird in diesem Buch erklärt. Zusammen haben beide das Vorwort für ein Sachbuch von Cory Doctorow geschrieben, der aus einem ähnlichen Antrieb heraus den Großteil seiner Bücher als kostenlosen Download auf seiner Homepage hat.

So setzt Amanda Palmer mit diesem Buch mehrere Verbindungen und Puzzleteile in ein immer größeres Bild, schafft mir neue Ansichten, stärkt schon existierende und motiviert immer wieder, neue Dinge auszuprobieren und Konventionen zu hinterfragen.

The Art Of Asking von Amanda Palmer wurde übersetzt von Viola Krauß und erschien bei Eichborn

 

Theater: Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt

Vor knapp drei Wochen waren Hannes Wittmer und Finn-Ole Heinrich mit ihrem Programm im JES, war ein sehr schöner Abend und eine gute Motivation, die Produktion von Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt des JES nach der Romantrilogie von Finn-Ole Heinrich und der Theaterfassung, die er zusammen mit seiner Frau Dita Zipfel produziert hat, anzusehen. Ohne zu wissen, was eigentlich passiert.

Gestern also die Premiere. Schon beim Betreten des Saals sind alle Schauspieler auf der Bühne und das bleibt bis zum Ende so. Niemals geht jemand ab. Stattdessen geht es irgendwann laut und chaotisch los und ich brauche ein paar Minuten, bis ich Anna-Lena Hitzfeld die Rolle der 12jährigen Paulina abnehme, die nach der Trennung ihrer Eltern zusammen mit ihrer Mutter (Sarah-Ann Kempin) in eine kleine Wohnung ziehen muss und damit ihren Rachfeldzug gegen ihren Vater (Milan Gather) einleitet.

Dafür bekommt sie Hilfe von Klassenkamerad Paul – knuffig tölpelhaft und glaubwürdig verkörpert von Sebastian Brummer – und eine gewisse Art seelischen Beistands durch ihren Opa, gespielt von Gerd Ritter. Und dann ist da noch Ludmilla – Sabine Zeiniger – die im neuen Zuhause für Ordnung sorgt.

Sobald die Geschichte läuft und klar ist, dass es um viel mehr geht, als nur diesen Auszug und dass auch Paul nicht nur der nette Schuljunge von nebenan ist, sondern sein eigenes Leben mit Problemen hat, bin ich drin. Es gibt kaum klar voneinander abgegrenzte Szenen, alles verschwimmt ineinander und selbst wenn der Fokus links auf der Bühne liegt, bleiben die Akteure rechts auf der Bühne in ihren Rollen und Aktionen, bis sie plötzlich eingebunden werden.

Das gibt dem ganzen Stück einen guten Zug, der durch musikalische Untermalung nochmal verstärkt wird. Im Film werden mit Musik unterlegte Montagen gemacht, um in wenig Zeit viel Fortschritt zu zeigen, das Stück kriegt hier das gleiche hin, aber auf einer weiteren Ebene, weil in diesen Momenten verschiedene Aktionen gleichzeitig passieren und alle Schauspieler immer eingebunden sind. Das macht extrem Spaß, zuzugucken und gibt dem ganzen Stück einen sehr filmartigen Charakter.

Knapp 80 Minuten bin ich vollkommen in der Welt, lache und leide mit, spüre die Wut der Maulina Schmitt, aber auch die Liebe und die Wunder des Lebens, herzwarm und Tränen in den Augen, mit ganz vielen kleinen wundersamen Einfällen, die das gesamte Werk so schön machen.

Ein wenig leid tut es mir um Milan Gather und den von ihm gespielten Vater, weil er im Gegensatz zu allen anderen Figuren blass und flach bleibt und Gather sich nie richtig ausspielen kann.

Und dann gibt es ganz kurz vor dem Schluss eine Sequenz, die mich leider vollkommen aus der Geschichte und Welt reisst. Ein Stolpern, dass mich so aus dem Takt bringt, dass ich danach leider nicht mehr reinkomme und ein wenig verdattert aus dem Theater komme. Mehr will ich gar nicht sagen, weil ich nichts vorwegnehmen muss. Dennoch:

Eine wunderschöne Geschichte, wunderbar erzählt, grandiose Bilder, tolles Spiel und ganz viele kleine Wunder und Eigenheiten, die es glänzen machen und mich mehr als froh.

Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt, jetzt im JES, alle Infos gibt’s auf der Seite.

Hörbuch: Wir sehen uns am Meer von Dorit Rabinian, gelesen von Luise Helm

Der erste Satz aus Wir sehen uns am Meer:

Jemand war an der Tür.

Es ist kurz nach dem 11. September 2001 in New York und die Stimmung ist sowieso angespannt. Liat ist Studentin aus Israel und für ein halbes Jahr in der Stadt, als sie den Künstler Chilmi kennenlernt. Chilmi ist gutaussehend und charmant, aber vor allem ist er Palästinenser.

Dorit Rabinian erzählt nicht nur eine klassische Boy meets Girl – Geschichte, sondern verwendet sie, um daran den Konflikt Israel – Palästina anzureissen. In Israel schlug der Roman hohe Wellen, galt als zu gefährlich, um ihn in Gymnasien zu empfehlen.

Ich kenne mich viel zu wenig mit der Geschichte und dem Leid dieses Konfliktes aus und kann deshalb nur ahnen, um was es wirklich geht. Aber ich kann es nicht spüren. Mir fehlt das Wissen, um die Größe der Tragik zu verstehen.

Bleibt eine Liebesgeschichte mit Deadline, poetisch geschrieben und einfühlsam erzählt von Luise Helm. Irgendwas stört mich an der Art, wie sie dieses Buch spricht, bis ich ans Ende komme und es Licht über den ganzen Roman wirft.

Ich glaube, Romane wie dieser sind wichtig, weil sie gesellschaftliche Themen in neues Licht rücken und auch Menschen wie mich auf Konflikte aufmerksam macht, die mir bisher im Dunkeln lagen. Aber die Geschichte selbst ist leider nur nett. Es gibt gute und auch gut geschriebene Szenen. Aber alles in allem berührt mich die Geschichte nicht, wie ich glaube, dass sie es sollte.

Wir sehen uns am Meer von Dorit Rabinian wurde übersetzt von Helene Seidler und gesprochen von Luise Helm. Das Taschenbuch erschien bei Droemer, das Hörbuch bei Argon. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf. Ein Abend mit Finn-Ole Heinrich und Hannes Wittmer (fka Spaceman Spiff) am 15. Juni im JES Stuttgart

Ab dem 4. Juli spielt das Junge Ensemble Stuttgart (JES) ‚Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt‚, nach den Romanen von Finn-Ole Heinrich. Vielleicht deshalb, vielleicht einfach so sind Finn-Ole Heinrich und Hannes Wittmer (fka Spaceman Spiff) mit ihrem Programm ‚Du drehst den Kopf, ich dreh den Kopf‘ im Foyer des JES.

Eine kleine Bühne, zwei Stühle, ein Laptop, ein Looper und Instrumente. Und die Bitte, keine Fotos zu machen. Wittmer und Heinrich sind seit acht Jahren gemeinsam auf der Bühne und ihr Programm ist eine lose Folge einzelner Teile, eine Mischung aus Konzert und Lesung, aus Filmschnipseln und Soundtrack. Das heißt, weder wir im Publikum, noch die beiden auf der Bühne wissen, was genau passieren wird. Deshalb schauen wir eher Künstlern dabei zu, wie sie Dinge tun und Spaß haben.

Letztendlich ist der namengebende Teil des Abends nur ein Ausschnitt, darum liegen Geschichten, Anekdoten, Songs und Stille und gerade das Spontane, die Fehlerbehaftetheit und die Intimität der Beiden macht es zu warmen Stunden voller Herz und Lachen und Melancholie. Es macht einfach Spaß, den Beiden zuzusehen.

Ich kannte beide bisher nur vom Namen. Jetzt muss ich mehr lesen, mehr hören. Danke dafür.

Roman: Das schönste Mädchen der Welt von Michel Birbæk. (Nicht der Film.)

Der erste Satz aus Das schönste Mädchen der Welt:

Die Autobahn rast unter uns hindurch wie eine endlose Straßenrolle.

Leo Palmer ist Ex-Musiker, Studioinhaber und Sprecher von Pornobüchern, mit denen er sich über Wasser hält. Er lebt so vor sich hin, bis er im Zug Mona kennenlernt, eine verheiratete Frau, der er den Kopf verdreht. Und dann stirbt Prince und Leo ist vollkommen in seiner Vergangenheit.

Eigentlich egal, was der Plot ist, ich mag Birbæk und seine Schreibe, ich bin also vollkommen befangen. Aber seit dem letzten Buch sind acht Jahre und ich bin gespannt, ob Birbæk sein Niveau halten kann.

Kann er. Wie damals unterhält er mit lockerer Sprache, erzählt eine Geschichte, die ganz seicht startet und Laufe der Seiten immer mehr Tiefe ahnen lässt. Samt einem Schluss, der Licht auf den Anfang wirft. Manchmal scheint mir zu sehr die Comedy-Seite von Birbæk raus, manche Witze sind mir zu plump, zu sehr auf eine vorgelesene Version getrimmt.

Dafür, dass ich für Prince zu jung war und kaum etwas mit ihm und seiner Musik anfangen kann, lese ich die Leidenschaft, die ich auch auf andere Dinge umlegen kann. Wahrscheinlich entgehen mir superviele Insider und Referenzen auf Prince, trotzdem funktioniert das Buch. Ich mag die Charaktere, die Geschichte und den Stil, fühle mich wohl in der Welt. Unterhalten und vielleicht noch ein wenig mehr.

Was braucht es sonst noch? Vielleicht noch weitere Romane. Mal sehen, ob das passiert.

Zwei Anmerkungen: In der deutschen Unterhaltungsbranche muss es doch jemandem auffallen, dass im selben Jahr sowohl ein Buch (dieses), aber auch ein Film mit diesem Namen erscheinen. Sind ganz unterschiedliche Geschichten und ich verstehe, dass Birbæk das Buch nach dem Song von Prince benannt hat. Führt dennoch zu Verwirrungen.

Und mit dem Wechsel zu RandomHouse / Blanvalet wurden alle Bücher von Birbæk neu aufgelegt, mit einem frech von den Büchern von Nick Hornby geklauten Design. KiWi hat das Design vor kurzem geändert, aber jeder, der die bisherigen Cover kennt, wird irritiert sein. Es ist ja in Ordnung, der Vermarktung wegen Cover an Bekanntes anzugleichen und in diesem Fall gehe ich davon aus, dass Freunde von Hornbys Geschichten auch bei Birbæk Gefallen finden. Aber so ähnlich, das finde ich schon sehr dreist.

Das schönste Mädchen der Welt von Michel Birbæk erschien bei blanvalet. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Hörbuch: Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky, gelesen von Sandra Hüller

Der erste Satz aus Was man von hier aus sehen kann:

Wenn man etwas gut Beleuchtetes lange anschaut und dann die Augen schließt, sieht man dasselbe vor dem inneren Auge noch mal, als unbewegtes Nachbild, in dem das, was eigentlich hell  war, dunkel ist, und das, was eigentlich dunkel war, hell erscheint.

Wenn Luisas Oma von einem Okapi träumt, stirbt am nächsten Tag jemand. Aber das ist das einzig skurrile an diesem Ort. Da ist Martin, Luisas Schulfreund, der Gewichtheber werden will und deshalb alles hochhebt, was er findet. Da ist Marlies, die immer schlecht drauf ist und niemals das Haus verlässt. Und da ist der Optiker, der seit Jahrzehnten seine Liebe geheim hält.

Mariana Leky führt uns durch Luisas Leben, mit all den kleinen und großen Eigenheiten, mit all den guten und schlimmen Sachen, die so ein Leben begleiten. Es ist ein netter kleiner Roman über das Leben und den Tod, über die Liebe und die Trauer, verpackt in schöne Bilder und sepiafarbene Sprachspiele.

Manchmal bricht Leky ihre Erzählform, was wahrscheinlich kaum jemandem auffällt und auch nicht schlimm ist, das Buch funktioniert trotzdem. Ich brauchte ein bisschen, bin ich drin war, in der Betroffenheitsprosa, die es doch irgendwoe ist, dann hatte ich bis zum Ende Unterhaltung.

Womit ich mich aber sehr schwer getan habe, ist Sandra Hüller als Sprecherin. Hüller habe ich erst seit Toni Erdmann im Bewusstsein, eine bemerkenswerte Schauspielerin, keine Frage. In diesem Hörbuch aber hilft sie mir als Hörer nicht, die Geschichte noch besser zu verstehen. Sie spricht schön und verständlich, aber sie füllt die Geschichte nicht mit Leben. Sie liest die Worte runter, in der immer gleichen leicht traurigen Haltung. Es sei denn, der Text zwingt sie dazu. Das kann ich mir anhören, aber Hüller macht es mir nicht so leicht, wie sie könnte. Meiner Meinung nach sogar sollte.

Es gibt vollkommen andere Meinungen zu ihrer Perfomance, sie war sogar nominiert als beste Interpretin für den deutschen Hörbuchpreis. In der Begründung heißt es ‚große Beiläufigkeit‘ und ‚angemessene Ruhe im Erzähltempo‘. Ich empfand es als nett und ohne Haltung runtergelesen.

Insgesamt eine nette Geschichte, die ich vielleicht lieber hätte lesen sollen.

Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky wurde gelesen von Sandra Hüller und erschien bei tacheles!. Die Buchfassung erschien bei Dumont. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

 

Am Abend, an der Ampel.

Die Kreuzung ist immer voll, eine Mischung aus Tram, Auto, Fahrrad und Fußgängern. Wir halten uns an das Rot der Ampel. Neben uns steht ein alter Mann, samt Hund. Beide ein wenig zottelig, beide ein wenig gebeugt. Für einen kurzen surrealen Moment wird es ruhig, keine Autos zwischen uns und der anderen Seite. Der Mann blickt die Straße entlang, dann sieht er zum Hund.

„Wie beide, wir riskieren jetzt Kopf und Kragen.“

Er macht einen Schritt auf die Straße und der Hund trottet hinterher. Er weiß noch nichtmal, was er riskiert. Er vertraut.

Hörstück: 5 Jahre NSA Skandal

Fünf Jahre NSA-Skandal: Gekappte Glasfaserkabel und Merkels Rücktritt

Constanze Kurz hat zusammen mit Frank Rieger (Ich habe mich beim Nachnamen verlesen, sorry!) diese Fiktion über die letzten fünf Jahre geschrieben, was hätte sein können, wenn wir ein paar Abzweige anders genommen hätten. Ich mag die Fiktion. Also habe ich sie eingesprochen. Viel Spaß!

Direkt-MP3 zum Download (rechtsklick ’speichern unter…‘)

Was übrig bleibt: „Es taucht aus dem Nichts auf, wie es Erinnerungen eben tun – ein Funke aus der Vergangenheit, der…“

“Es taucht aus dem Nichts auf, wie es Erinnerungen eben tun – ein Funke aus der Vergangenheit, der ins Jetzt hinüberglimmt.”

Der Blumensammler – David Whitehouse
Originalpost auf „was übrig bleibt“, eine Sammlung unterstrichener Sätze, gefundener Worte & liegengebliebener Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Roman: Und Nietzsche weinte (When Nietzsche wept) von Irvin D. Yalom

Lesestoff: When Nietzsche wept von Irvin D. Yalom

A post shared by Fabian Neidhardt (@jahfaby) on

Der erste Satz aus Und Nietzsche weinte:

Das Glockenspiel von San Salvadore riss Josef Breuer aus seinen Träumen.

Was, wenn Friedrich Nietzsche suizidgefährdet wäre und Lou Salome ihn in eine Behandlung mit Josef Breuer lockt, während der sich mit dem noch jungen Sigmund Freud berät? Das ist die Geschichte.

In Realität ist dieses Treffen nie geschehen. Aber es hätte sein können. Und genau dieses ‚was hätte sein können‘ beschreibt Irvin D. Yalom, selbst Psychoanaliytiker in diesem Roman.

Ich habe den Roman auf Englisch bekommen, also habe ich ihn auf Englisch gelesen. Ich tue das viel zu selten, ich muss mich jedes Mal wieder ins englische fuchsen. Dazu kommt erstens eine Geschichte, die sich sehr langsam entwickelt und weniger handlungsbasiert als intellektuell ist. Und zweitens eine Geschichte, die mir zwar auf englisch erzählt wird, aber von deutschsprachigen Charakteren im Wien 1882 erzählt. Yalom bekräftigt dies, indem er immer wieder deutsche Worte einfließen lässt.

And for desert, they had a piece of Strudel with Schlag.

Das mag für englischsprachige Leser ja lustig sein, für mich als Deutschen wirkt das plump und schlecht gemacht. In meinen Ohren sprechen alle Figuren Englisch mit einem Arnold Schwarzenegger-Einschlag. Wird niemandem gerecht, konnte ich aber auch nicht abschalten.

Ich musste mich durch zwei Drittel des Romanes kämpfen, bis ich meinen Gefallen gefunden habe. Und bis fast ganz ans Ende waren mir Breuer und Nietzsche unsympathisch. Der einzig Coole ist der junge Freud. Mit ihm hatte ich meinen Spaß.

Nachdem ich durch war, war es doch eine ganz schöne und bertührende Geschichte, aber es war ein langer Weg dahin. Vielleicht wäre es in diesem Fall nicht nur einfacher, sondern auch besser gewesen, die Übersetzung zu lesen.

When Nietzsche wept von Irvin D. Yalom erschien bei Harper, die deutsche Ausgabe wurde übersetzt von Uda Strätling und erschien bei btb.

 

Erster Eindruck: Corratec E-Power X-Vert

Greenstorm ist Händler für gebrauchte e-Bikes und verkauft ‚Jahresbikes‘, also Fahrräder, die für ein Jahr von Hotels für die Hotelgäste benutzt wurden. Ich bin Botschafter für Greenstorm, das heißt, ich habe das Corratec E-Power X-Vert zur Verüfgung gestellt bekommen. Ein Jahr lang darf ich es fahren und testen und darüber berichten.

Seit knapp einem Monat habe ich nun das Bike. Und es ist ein Monster, in jeglichem Sinn. Es ist groß und stark und für eine Stadt eigentlich zu überdimensioniert. Gerade dadurch macht es ziemlichen Spaß. Heißt aber auch, dass ich es mit Lichtern, Schutzblechen und Reflektoren erstmal straßentauglich machen muss. Zusätzlich ein Schloss, fast so schwer, wie das Fahrrad selbst.

Wenn ich mich richtig erinnere, ist es auch das erste fabrikneue Fahrrad für mich. Natürlich ist es besser als alles andere, was ich bisher gefahren bin. Wie es sich im Vergleich zu anderen aktuellen schlägt, kann ich noch nicht sagen.

Durch den in den Rahmen eingelassenen Akku hat das Fahrrad Ähnlichkeit mit alten Mofas, deren Tank auch in den Rahmen eingelassen war. Dies ist die erste Generation von Corratecs Fahrrädern mit eingelassenem Akku, die Spaltmaße und die generelle Handhabung sind noch nicht ganz sauber.

Schon in seinen Maßen und seiner Ausstattung ist das Bike ein Monster. Das wird durch all die Aufkleber und die Farbgebung noch verstärkt. Und macht es für mein Empfinden auch hässlich. Ich wünschte mir ein bisschen mehr Understatement. Es ist ein großartiges Fahrrad. Müsste nun auch großartig aussehen.

Die ersten 200 Kilometer sind drauf, natürlich geht es mit dem Motor alles ein wenig schneller. Inwiefern sich mein Verkehrsverhalten verändert, kann ich noch nicht sagen. Kommt dann.

Was übrig bleibt: „Daheim bei Kesey in La Honda, Tief im remmidämmrigen Neonstaub, perfekter synchronisiert als sie es…“

“Daheim bei Kesey in La Honda, Tief im remmidämmrigen Neonstaub, perfekter synchronisiert als sie es je zuvor gewesen, tief in diesem Unausgesprochenem Ding hatten sich die Pranksters jetzt formiert entlang der absoluten Trennungslinie: Vor dem Bus und nach dem Bus. Auf dem Bus oder runter vom Bus.”

Tom Wolfe – The Electric Kool-Aid Acid Test
Originalpost auf „was übrig bleibt“, eine Sammlung unterstrichener Sätze, gefundener Worte & liegengebliebener Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Literaturcafe.de Podcast mit Marx, ohne Mars, mit Bügeln und Buchladen

Kurze Info: Wolfgang und ich haben wieder über Bücher, Verfilmungen und Geschichten geredet, ich verwechsele andauernd den Mond und den Mars und wir haben einen Haufen Spaß. Ihr hoffentlich ebenso.

Podcast: Steal the Stars von Mac Rogers

Dakota ist Sicherheitsbeauftragte einer Einrichtung mit dem größten Geheimnis der Welt: Einem abgestürztem Ufo. Seit es vor mehr als zehn Jahren abgestürzt ist, versucht eine privatisierte Einheit der amerikanischen Regierung hinter das Geheimnis des Ufos und des Alien zu kommen, ziemlich erfolglos. Bis sich Dakota einerseits Hals über Kopf ihren neuen Mitarbeiter verliebt und andererseits die ganze Einrichtung verkauft werden soll, um Ufo und Alien öffentlich auszustellen. Dakota wehrt sich gegen beides.

Steal the Stars ist ein abgeschlossenes Hörspiel, welches in Podcastform geliefert wurde, 14 Episoden mit einer Laufzeit zwischen 20 und 45 Minuten, die mittlerweile komplett und kostenlos bei verschiedenen Anbietern verfügbar sind. Finanziert wird der Podcast über gefühlt zwei Minuten lange Werbeeinblendungen, die aber relativ unaufdringlich sind. Wer keine Werbung haben will, kann sich das ganze Hörbuch auch kaufen.

Steal the Stars ist die erste Produktion von Tor Labs, einem Imprint des amerikanischen Verlages TOR Books, eine Experimentierstation für neue Erzählmöglichkeiten. Erstmal ist es schön, wie Steal the Stars erzählt wird. Das Format des Hörspiels wird sauber benutzt und kann Effekte erzeugen, die weder im Film noch in einem Buch möglich sind. Die Anmutung ist roh und leicht angedreckt, die ganze Produktion ist hochwertig und es macht superviel Spaß, der Geschichte zu folgen, auch wenn die Prämisse ‚Alien auf der Erde‘ nicht die Neueste ist.

Mit der Liebesgeschichte dagegen bin ich zum Großteil überhaupt nicht klargekommen. Sie kam mir oft plump und unerklärt vor, wie eine comichafte Version von Liebe, bei der der Figur, tatsächlich der Kiefer auf den Boden plumpst und das Herz sichtbar durch den Körper schlägt. Das konnte ich leider nicht ernst nehmen.

Trotzdem habe ich die ingesamt knapp 7 Stunden gerne gehört, weil der Rest der Story schon ziemlich gut gebaut ist. Ich mag diese Art, Geschichten zu erzählen. Und als erstes Experiment im Podcastbereich ist das schon ein sehr schönes Stück. Ich bin gespannt, was Tor Labs und die Podcastwelt überhaupt noch an schönen Geschichten bringen werden.

Es gibt übrigens auch eine Buchfassung zum Podcast. Ich habe sie nicht gelesen, finde es aber schade, dass Tor diese Chance nicht genutzt hat und statt einer einfachen Nacherzählung eine andere Geschichte in der selben Welt zu erzählen. Das wäre für mich der richtige Nutzen der unterschiedlichen Medien gewesen.

Steal the Stars erschien als Podcast bei Tor Labs, wurde geschrieben von Mat Rogers und produziert von Gideon Media.