Meine erste Crowdfunding-Kampagne: #incommunicado – das Hörbuch

Dieser Beitrag bleibt erstmal hier oben, darunter gehts mit den neueren Beiträgen weiter.

Seit ziemlich genau vier Jahren bin ich dabei, aus dem Roman #incommunicado ein Hörbuch zu machen. Ein Projekt, das ich immer wieder nebenher gemacht habe und das mir wichtig ist. Nur gibt es kaum mehr Zeit in diesem Nebenher, weshalb der Podcast quasi zum erliegen gekommen ist. Trotzdem wurden die ersten Teile mehr als 25.000 mal heruntergeladen und ich kriege immer noch Anfragen, ob und wann es weitergeht. Deshalb habe ich mich mit Michel Reimon zusammen“gesetzt“ und herausgekommen ist diese Kampagne. Zusammen mit euch wollen wir das Geld für ein Studio aufbringen, in dem wir das komplette Hörbuch professionell aufnehmen und danach schneiden und mastern lassen. Natürlich gibt’s das Hörbuch danach wieder kostenlos als Podcast unter einer CC-Lizenz (CC-BY-SA-NC 3.0).

Wenn ihr uns dabei unterstützen wollt, schaut euch die Kampagne an.  Ab heute sind wir für ein bis zwei Wochen in der Startphase, danach geht’s in die Finanzierungsphase, Anfang August haben wir unseren Studiotermin bei Rockinson.

Informiert euch, erzählt allen davon und helft mit, aus #incommunicado endlich ein komplettes Hörbuch zu machen.

Bitte. Danke. Lächeln, Fabian.

Und hier, quasi die Hörversion des Artikels.

#Incommunicado, das Hörbuch – Teil 15 – das Reboot (Zum Download rechtsklick “Ziel speichern unter…” oder einfach den Feed abonnieren. Und hier geht’s zum iTunes Podcast.)

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Film: BFG – Big Friendly Giant

Seit Donnerstag läuft Big Friendly Giant im Kino. Ich mochte das Buch und der Trailer sah gut aus, nach an den originalen Illustrationen von Quentin Blake. Also sind wir gestern ins Kino.

Es gibt tatsächlich viele schöne Sachen an und in diesem Film. Mark Rylance spielt einen großartigen Riesen und tatsächlich sieht ein Großteil des Films aus wie eine in Bewegtbild umgewandelte Version der Zeichnungen. Auch die Sprache ist wunderbar. Wunderbar nah an der grandiosen Übersetzung von Adam Quidam und wunderbar lustig in ihrem Gebrauch.

Trotzdem konnte mich der Film über weite Strecken hinweg nicht bannen. Ich war dabei, ja. Aber ich war nicht drin. Aus mehreren Gründen. Zuerst die Kamerafahrt, zu viele Szenen sehen so aus, als seien sie gedreht damit man zeigen kann, wie toll der 3D-Effekt ist. Solange die Filmemacher das 3D-Feature nicht als natürlichen Teil ihrer Werkzeugkiste sehen, sondern es noch immer als den neuen heißen Scheiß sehen, den sie ausstellen müssen, möchte ich solche Szenen nicht sehen.

Dann die Darstellerin der Sophie, Ruby Barnhill. Sie sieht aus, wie die Sophie im Buch. Und sie verhält sich auch so. Aber es tut mir leid, ich kaufe ihr ihr Spiel einfach nicht ab. In keinem Moment fühle ich mit ihr oder kann ihre Wandel mitempfinden. Das kann am schauspielerischen Talent liegen oder an der Synchronisation, das kann ich noch nicht einschätzen. Dafür müsste ich die originale Fassung nochmal sehen.

Zuletzt die Geschichte. Während Dahl im Roman eine eindeutige Linie fährt und Sophie(chen) und der Riese die Mission haben, die anderen bösen Riesen vom Menschen fressen abzuhalten, verstärkt Steven Spielberg das im Roman schwächer ausgesprägte Thema der Einsamkeit des Riesen und Sophie. Dadurch wird der Film emotionaler und ernster, aber er verliert auch an Stringenz, weil wir als Zuschauer schnell zwischen diesen Themen wechseln müssen und dadurch beide Themen ihre Kraft verlieren.

Ich wollte den Film mögen und habe mich auf ihn gefreut. Ich fand ihn auch nicht schlecht. Aber leider auch nicht gut.

Anleitung: Wie man auf Startnext spendet.

Seit anderthalb Monaten läuft meine Startnext-Kampagne für das #incommunicado-Hörbuch. Bei allem positiven Feedback sind solche Kampagnen auch extrem zermürbend.

Eine Sache, die ich in diesen sechs Wochen oft gehört habe, ist, wie kompliziert es ist, auf Startnext zu spenden.

Ja, ein Projekt auf einer Crowdfundingseite zu unterstützen ist nicht so einfach, wie bei Amazon mit einem Klick etwas zu bestellen. Aus gutem Grund, Startnext steht dafür gerade, dass die Projekte, aber auch die Unterstützer abgesichert sind. Projekte hätten ein Problem, wenn jemand erstmal eine große Summe bereitstellt, diese aber dann plötzlich zurückzieht. Unterstützer wollen ihre Bankdaten nicht jedem geben. Damit all das gewährleistet ist, gibt es dieses System.

Damit ihr trotzdem die Projekte, die euch am Herzen liegen, unterstützen könnt, habe ich diese Anleitung geschrieben:

  1. Auf Startnext registrieren
    Am oberen rechten Rand befindet sich der Button zur Registrierung.
    Bei einem verfügbaren Facebook oder Google+ Account könnt ihr euch damit anmelden. Oder ihr macht es ganz klassisch per Mailadresse, Name und Passwort (Wenn ihr euch bei einem guten Passwort schwer tut, nehmt eine Passphrase). Dann müsst ihr noch eure Mailadresse bestätigen. Dafür geht ihr in euren Mailaccount und findet diese Nachricht. Dort müsst ihr auf den Link klicken, damit Startnext weiß, dass das wirklich eure Mailadresse ist.
    Damit habt ihr ein Profil auf Startnext. Gratulation! Ihr könnt das noch mit Bild und mehr Infos versehen, ist aber nicht notwendig. Jetzt geht ihr zu dem Projekt, das ihr unterstützen wollt.
  2. Unterstützung aussuchen

    Auf jeder Projektseite gibt es rechts neben dem Projektvideo die Auflistung der Dankeschöns (auf anderen Plattformen werden sie auch „Rewards“ genannt). Ihr habt hier zwei Möglichkeiten, entweder unterstützt ihr mit einem freien Betrag, oder ihr sucht euch eines (oder mehrere) der Dankeschöns aus.
    Wenn ihr sie ausgewählt habt, kommt ihr in sowas wie den Kassenbereich.
  3. Bezahlen
    Hier seht ihr die Übersicht eurer gewählten Dankeschöns (a). Dann entscheidet ihr die Bezahlmethode (b). Bedenkt, dass Geld wird immer erst dann abgebucht, wenn das Projekt wirklich erfolgreich finanziert ist. Deshalb ist eine Crowdfundingseite auch komplexer aufgebaut, als ein einfaches Spendenformular.
    Dann werdet ihr im gelben Bereich dazu aufgefordert, Startnext selbst zu unterstützen (c). Ob ihr das macht, sei euch überlassen. Dann seht ihr den Gesamtbetrag (d), der sich aus euren Dankeschöns und euren Beitrag für Startnext zusammensetzt. Den Haken für den Newsletter müsst ihr nicht setzen, aber den Nutzungsbedingungen müsst ihr zustimmen, sonst geht es nicht weiter. Dann müsst ihr nur noch auf den grünen Button (f) klicken. Daraufhin öffnet sich ein Fenster, bei der ihr je nach gewählter Bezahlmethode eure Daten eingeben müsst, damit das Geld bei erfolgreicher Finanzierung abgebucht werden kann.

Das war’s! Ihr seht, mit ein wenig Geduld kriegt man auch das hin. Wenn ihr euch gleich mal ausprobieren wollt, schaut euch mein Hörbuch an, ich freue mich, wenn wir das zusammen hinbekommen.

Kinderbuch: Sophiechen und der Riese von Roald Dahl (mit Gewinnspiel!)

Der erste Satz aus Sophiechen und der Riese:

Sophiechen konnte nicht einschlafen.

Ich hatte den Namen Roald Dahl schon gehört, aber ich hatte noch nie etwas von ihm gelesen oder genau gewusst, wer er war. Autor nämlich, von verfilmten Werken wie Mathilda, der fantastische Mr. Fox und Charlie und die Schokoladenfabrik. Und eben auch Sophiechen und der Riese.

Kommenden Donnerstag (21. Juli) kommt der Film unter dem englischen Orginaltitel BFG – BIG FRIENDLY GIANT ins Kino, höchste Zeit, davor das Buch zu lesen.

Sophiechen ist Waisenkind und mir reichen die ersten beiden Seiten, um zu verstehen, dass das kein gutes Waisenhaus ist, in dem Sophiechen ist. Wobei ich mir gar nicht sicher bin, ob es jemals ein gutes Waisenhaus gegeben hat. Aber schon einen kurzen Moment, nachdem wir Sophiechen und das Waisenhaus kennengelernt haben, kommt der Riese am Fenster vorbei und entführt sie. In die Welt der Riesen, die Menschen fressen und böse sind. Nur ihr Riese macht das nicht, denn er ist der Gute Riese, der GuRie. Er sammelt Träume und verteilt sie an Kinder und er muss sich gegen die bösen Riesen zur Wehr setzen. Eine Sache, bei der Sophiechen helfen wird.

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Ja, eine Kindergeschichte, ein Erzähler, der für Kinder erzählt. Aber Roald Dahl eben erzählt hat, immer mit einer guten Prise schwarzem Humor und Derbheit. Es ist kein „Es war einmal Märchen“. Es ist eine phantastische Geschichte, mit sterbenden Menschen und Flüchen und einer klaren Sicht auf die schlechten Seiten des Lebens. Trotzdem bleibt ein Happy End.

Sophiechen und der Riese kam in Deutschland erstmals 1984 auf den Markt und erhielt ein Jahr später den deutschen Jugendliteraturpeis.  Zu Recht. Die Geschichte und die Erzählart haben bis heute nichts von der Faszination eingebüßt. Im Gegenteil, selbst die damalige Übersetzung von Adam Quidam (ein Pseudonym des Lektors Hermann Gieselbusch) strahlt bis heute. Da der Riese nie wirklich in der Schule war, hat er ein einzigartiges Vokabular, das auch im Deutschen extrem viel Spaß macht. Die Zeit schrieb in ihrer Rezension damals:

Wer käme auf Besseres als „menschliche Leberwesen“ für „human beans“ (= human beings) oder als „Spanier schmecken nach Spanferkel“ für „Turks from Turkey ist tasting of turkey“? Da es nicht immer möglich ist, Entsprechungen zu finden, hat sich der Übersetzer vorgenommen, „daß auf jeder Seite ungefähr derselbe Humorpegel erreicht wird.

Dieser Humorpegel hat sich bis heute gehalten. Sophiechen und der Riese ist ein Buch, für das man kein Kind mehr sein muss, um es grandios finden zu können. Es ist witzig und derb und brutal und voller Herz.

Und die in diesem Jahr erschienene neue Auflage des Buches bei Rowohlt ist extrem schön gestaltet, inklusive der originalen Illustrationen von Quentin Blake, an denen sich wiederum der Film orientiert hat.

Gewinnspiel:

Ich verlose 2 mal 2 Freikarten für den zugehörigen Kinofilm. Schreibt mir eine Mail mit eurer Adresse und sagt mir, welches Kinderbuch ihr erst nach eurer Kindheit kennen und lieben gelernt habt. Der Zufall entscheidet dann. Einsendeschluss ist Mittwoch, der 20 Juli, 12 Uhr. Dann gehen die Karten direkt raus. Die Adressen werden für nichts anderes verwendet und direkt danach wieder gelöscht. Viel Erfolg!

Sophiechen und der Riese von Roald Dahl wurde übersetzt von Adam Quidam und erschien bei Rowohlt. Das Rezensionsexemplar und die Freikarten wurden mir zur Verfügung gestellt.

Was übrig bleibt: „Was ich meine und was ich sage, sind zwei verschiedene Dinge”, verkündete der GuRie stolz….“

““Was ich meine und was ich sage, sind zwei verschiedene Dinge”, verkündete der GuRie stolz. “Und jetzt zeige ich dir eine Kotzgurke.””

Sophiechen und der Riese – Roald Dahl

Originalpost auf „was übrig bleibt“

„was übrig bleibt“ ist eine Sammlung, sind unterstrichene Sätze, gefundene Worte & liegengebliebene Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Roman: Worauf du dich verlassen kannst von Kate Tempest

Der erste Absatz aus Worauf du dich verlassen kannst:

Es kriecht dir in die Knochen. Du merkst es nicht mal. Erst, wenn du daran entlangfährst, das immer schon Vertraute vorbeigleiten und zurückbleiben siehst.

Plötzlich war Kate Tempest auf meinem Radar. Der Name führte über einen Spoken Word Text zu diesem Roman. Bevor wir über den Inhalt reden, erstmal die Form. Die ist nämlich unglaublich geil. Okay, ich verstehe den Dinosaurier auch nach dem Lesen nicht, aber das minimale Cover ohne Schutzumschlag, das Gefühl, dieses Buch in der Hand zu halten und es aufzuschlagen, ich liebe es. Das Buch hat eine Fadenbindung und einen geraden Buchrücken und wenn ich es aufschlage, liegt es flach auf dem Tisch. Ich bin total begeistert.

Was in der Form beginnt, geht im Inhalt weiter. Das Intro liest sich wie ein Spoken Word Text, ein Rap in Prosaform und die Beats springen mir entgegen, was mir erstmal schwerfällt und mich verwirrt. Danach wird es besser, entweder sind die Beats schwächer oder ich habe mich an sie gewöhnt.

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Kate Tempest erzählt einen Ausschnitt aus dem Leben in London, mit vielen Geschichten und Ereignissen und Menschen, deren Wege irgendwann immer zusammenfinden. Sie erzählt mit einem detaillierten auktorialen Erzähler, der extrem nah an den Figuren ist. Ich lese nicht nur abwechselnd die Gedanken und Gefühle der vier Protagonisten, ich kenne ihre Familie bis zu den Großeltern, ich weiß, warum die Eltern sich wie verhalten haben und verstehe, warum sich die Protagonisten verhalten, wie sie es tun. Ich muss es nicht akzeptieren oder gar gut heißen, aber ich kann es nachvollziehen.

Mehr noch, ich will es verfolgen. Obwohl es verwirrend und anstrengend ist und Kate Tempest von Person zu Person, von Gefühl zu Gegengefühl springt, will ich dabei sein. Obwohl ich mein Problem mit Geschichten über Drogen habe und sie meist als Attitüde und Lebensstil lese, der nicht meiner ist, geht es mir hier anders.

Ich brauche eine ganze Weile, bis ich die Geschichten verstehe und wer wie zusammengehört. Aber dann folge ich ihnen und will mehr wissen, selbst, als das Buch zu Ende ist. Dann sitze ich enttäuscht da. Lese den Anfang nochmal. Schade, dass es nicht weitergeht. Aber hej, genau das ist es, ein Ausschnitt aus dem Leben. Es gäbe keinen guten Punkt, um auszusteigen.

Und wir steigen auch nicht wirklich aus, denn Kate Tempest verschränkt ihre Künste. Das heißt, die Geschichten ihrer Protagonisten gehen in ihren Liedern und Gedichten weiter. Und vielleicht, hoffentlich, irgendwann in einem neuen Roman.

Worauf du dich verlassen kannst ist ein dichter, intensiver Roman, in dem man sich erst zurechtfinden muss und dann nicht mehr raus will. Gerne mehr davon.

Worauf du dich verlassen kannst (Originaltitel: The Bricks that Built the Houses) von Kate Tempest wurde übersetzt von Karl und Stella Umlaut und erschien bei rowohlt. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Was übrig bleibt: „Es sieht gar so wunderlich aus, wenn Gegenstände plötzlich zu flattern anheben, die sonst immer tot…“

“Es sieht gar so wunderlich aus, wenn Gegenstände plötzlich zu flattern anheben, die sonst immer tot daliegen. Nicht? – Ich sah einmal auf einem menschenleeren Platz zu, wie große Papierfetzen, – ohne daß ich vom Winde etwas spürte, denn ich stand durch ein Haus gedeckt, – in toller Wut im Kreise herumjagten und einander verfolgten, als hätten sie sich den Tod geschworen. Einen Augenblick später schienen sie sich beruhigt zu haben, aber plötzlich kam wieder eine wahnwitzige Erbitterung über sie, und in sinnlosem Grimm rasten sie umher, drängten sich in einen Winkel zusammen, um von neuem besessen auseinander zu stieben und schließlich hinter einer Ecke zu verschwinden.
Nur eine dicke Zeitung konnte nicht mitkommen; sie blieb auf dem Pflaster liegen und klappte haßerfüllt auf und zu, als sei ihr der Atem ausgegangen und als schnappe sie nach Luft.
Ein dunkler Verdacht stieg damals in mir auf: was, wenn am Ende wir Lebewesen auch so etwas Ähnliches wären wie solche Papierfetzen? – Ob nicht vielleicht ein unsichtbarer, unbegreiflicher ›Wind‹ auch uns hin und her treibt und unsre Handlungen bestimmt, während wir in unserer Einfalt glauben unter eigenem, freien Willen zu stehen?[47]
Wie, wenn das Leben in uns nichts anderes wäre als ein rätselhafter Wirbelwind? Jener Wind, von dem die Bibel sagt: weißt du, von wannen er kommt und wohin er geht? – – – Träumen wir nicht auch zuweilen, wir griffen in tiefes Wasser und fingen silberne Fische, und nichts anderes ist geschehen, als daß ein kalter Luftzug unsere Hände traf?”

Der Golem – Gustav Meyrink

Originalpost auf „was übrig bleibt“

„was übrig bleibt“ ist eine Sammlung, sind unterstrichene Sätze, gefundene Worte & liegengebliebene Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Roman & Hörbuch: 180° Meer von Sarah Kuttner

Der erste Absatz aus 180° Meer:

Ich bin kein schöner Mensch.
Meine Aura ist irgendwie zahnfarben. Nicht offwhite, nicht creme. Nicht einmal neutral beige.

Ich denke: Cool, ein neuer Roman von Sarah Kuttner. Muss ich nicht wissen worum es geht, ich habe ihren ersten gelesen und die Verfilmung gesehen und den zweiten als Hörbuch gehört. Sie ist nicht die perfekte Vorleserin, aber ähnlich wie Thees Uhlmann kann sie ihre Protagonisten mit Leben füllen. Und sie schafft es, dass ich immer wieder denke, ja! Genauso ist es. Sie ist Meisterin der Identifikation, der Findung von passenden Worte für Situationen, die ich, die wir alle kennen. Zumindest war das so.

Noch keine fünf Minuten im Hörbuch und ich ahne, dass es diesmal anders ist. 6 Stunden später bin ich mir sicher. Ich mag Sarah Kuttner. Ich mag ihre Sendung Kuttner plus Zwei. Ich will dieses Buch mögen und gut finden. Kann ich aber nicht.

Klar, da sind immer noch viele kleine Identifikationsmöglichkeiten, viele schöne Metaphern, viele schöne Worte. Aber die große Story einer mittelmäßigen Sängerin, deren Leben zusammenbricht und sie einfach so für Monate nach London zu ihrem Bruder zieht und ihren todkranken Vater nicht besuchen und auch sein Geld nicht haben will, weil er die Familie damals verlassen hat, funktioniert für mich überhaupt nicht.

Die anderen Bücher waren Geschichten von Menschen, die wie du und ich sind. Oder wie Freunde von uns. Das funktioniert diesmal nicht. Diese Story kann ich einfach nicht glauben. Dazu kommt noch ein komischer Sprachgebrauch, der früher entweder nicht da war oder mir nicht aufgefallen ist, eine Art von Derbheit, bei der ich an Charlotte Roche denken musste, die hier aber gewollt klingt.

Dann das Hörbuch. Was beim letzten wirklich gut funktioniert hat, geht hier vollkommen schief. Das liegt erstens an ihrer Stimme. Ich weiß nicht genau, was kaputt ist, aber irgendwas ist kaputt. Ich meine mich erinnern zu können, auch schonmal gehört zu haben, dass wegen irgendwas ihre Stimme sehr kratzig und schwach ist. Was in der Sendung für ein paar Anekdoten und Fragen noch reicht, funktioniert auf Dauer überhaupt nicht. Mir fällt es schwer, Kuttners Stimme über lange Zeit zuzuhören.

Zweitens fallen mir falsch ausgesprochene Worte mittlerweile viel zu sehr ins Gewicht. Es heißt nicht ebend. Es heißt eben. Sobald mir das einmal aufgefallen ist, werde bei jedem weiteren ebend nur noch verrückter. Und das bleibt ja nicht das einzige Wort.

Drittens und am Schlimmsten: Kuttner liest nicht konsequent. Es gibt zwei Möglichkeiten, ein Hörbuch zu lesen. Entweder bin ich der Erzähler und erzähle die Geschichte aus der Haltung des Erzählers. Dann gucke ich von außen auf die Handlung und kann sie auch kommentierend lesen. Oder ich bin der Protagonist. Dann bin ich traurig, wenn der Protagonist traurig ist. So hat Kuttner das letzte Buch gelesen. Bei diesem wechselt sie zwischen diesen Positionen. Manchmal hat sie die Emotion und Haltung der Protagonistin, gibt Jule also ihre Stimme, manchmal ist sie aber Sarah Kuttner, die diese Geschichte liest und eben auch kommentiert. Dann höre ich ein Lächeln an Stellen, an der ich als Zuhörer lächeln kann, Jule aber auf keinen Fall lächeln wird. Spätestens diese Inkonsequenz macht mir das Hörerlebnis vollends kaputt. Ich kann sie leider nicht ernst nehmen.

180° Meer ist weder die auf dem Klappentext versprochene Roadnovel, noch das Buch oder Hörerlebnis, das ich mir von Sarah Kuttner erhofft habe. Ich kann ihn nicht empfehlen, weder das Hörbuch, noch den Roman. Ich hoffe auf den nächsten. Solange sehe ich mir ihre Sendungen an.

180° Meer von Sarah Kuttner erschien als Roman bei S. Fischer, das Hörbuch erschien bei Argon. Beide Verlage haben mir Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt.

 

 

 

Roman: Das Alphabet der letzten Dinge von James Hannah

Neuer Lesestoff: Das Alphabet der letzten Dinge von James Hannah. Schönes hochwertiges Cover. Samt Lesebändchen!

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Der erste Satz aus „Das Alphabet der letzten Dinge„:

Ich weiß genau, was du jetzt zu mir sagen würdest.

Ivo liegt im Hospiz, mit vielleicht Mitte 40,  liegt im Sterben. Damit das Sterben nicht zu sehr die Gedanken füllt, geht Ivo das Alphabet durch und füllt es mit Erinnerungen aus seinem Leben und vor allem mit Erinnerungen an die Liebe seines Lebens, Mia. Boy lost girl. Und in den letzten Zügen seines Lebens versucht er, sein Gewissen klar zu bekommen.

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Ähnlich wie beim „Wörterbuch der Liebenden“ arbeitet Ivo sich von A bis Z und erinnert sich Geschichten aus dem Leben. James Hannah erzählt auf eine direkte Weise, manchmal naiv, manchmal skurril und ziemlich oft traurig und lustig. Das erste Drittel des Romans haben eine Freundin und ich uns gegenseitig vorgelesen und wir hatten Spaß. Den hatte ich auch beim Rest.

Trotzdem hatte ich immer wieder einen schalen Geschmack beim lesen. Auf der einen Seite ist der Klappentext so plump und heischend, er verrät zu viel und zwingt den Leser, durch den Text zu eilen, um endlich das große Geheimnis zu erfahren. Das ist schade, denn der Weg dahin ist ziemlich schön, wenn man ihn genießen kann.

Auf der anderen Seite gibt es Aspekte in Ivos Leben, mit denen ich nicht klar komme. Entscheidungen, die ich als Leser einfach nicht nachvollziehen kann. So nah ich ihm in manchen Situationen bin, in anderen gar nicht bei ihm, weil ich denke, ich und zu viele andere Menschen würden nie so handeln. Aber dann, vielleicht doch. Ich weiß es nicht, aber mir hat das manchmal ein komisches Gefühl gegeben. Das Ende dagegen ist ein intensives, das mich erstmal einen Moment still sitzen hatte lassen.

Das Alphabet der letzten Dinge“ ist ein Buch mit einem tollen Cover und einer schönen Geschichte, die mir durch den Klappentext verleidet wurde und mich von Zeit zu Zeit nicht ganz überzeugen konnte. Dennoch habe ich sie gern gelesen.

Das Alphabet der letzten Dinge“ von James Hannah wurde übersetzt von Eva Bonné und erschien bei Eichborn. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Was übrig bleibt: „Leon sah, dass das Leben mal abscheulich und mal schön und manchmal beides sein konnte, aber nie…“

“Leon sah, dass das Leben mal abscheulich und mal schön und manchmal beides sein konnte, aber nie schal. Er wusste, dass jede kleinste Begebenheit wahrgenommen, empfunden, genossen werden musste, dass man entweder für oder gegen sie kämpfen musste.”

Worauf du dich verlassen kannst – Kate Tempest

Originalpost auf „was übrig bleibt“

„was übrig bleibt“ ist eine Sammlung, sind unterstrichene Sätze, gefundene Worte & liegengebliebene Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Kommentar zu „Wa(h)re Worte“ – Nina Georges Rede bei den Buchtagen 2016 in Leipzig.

Vor ein paar Tagen fanden in Leipzig die Buchtage statt, bei deren Eröffnung die Autorin Nina George eine Rede gehalten hat, die mittlerweile durch die sozialen Netzwerke zieht. Dabei geht es um den Wert von Worten, symbolisch, aber auch ganz substanziell.

Mir geht es gar nicht darum, ob ich mit Frau George einer Meinung bin. Aber den Weg, den sie mit ihren Worten wählt, um auf ihr Fazit zu kommen, sehe ich sehr problematisch. Hier ein paar Gedanken und Kommentare zu ausgewählten Zitaten. Es ist sinnvoll, zuvor die Rede komplett gelesen zu haben.

Frau George vermischt in ihrer Rede mehrere Argumentationslinien, um mit einer die andere zu untermauern.

So geht es im Mittelteil der Rede um den Verfall des Wortwerts, im jeglichen Sinn. Ich paraphrasiere: Dadurch, dass alles (wenn auch zum Teil illegal) im Internet kostenlos verfügbar ist, hat nichts mehr finanziellen Wert und wird auch nichts mehr ernst genommen. Der ideelle Wert geht genauso verloren: Was im Internet steht (und im Internet stehe alles) sei nichts mehr Wert.

Diese Aussage umrahmt sie mit dem Schicksal von Raif Badawi, welcher wegen Aussagen auf einem von ihm erstellten Onlineforum über Politik und Religion in Saudi-Arabien gefangen genommen wurde. Er wurde öffentlich ausgepeitscht und ihm könnte die Todesstrafe bevor stehen. Wegen Worten, die im Internet zu finden sind. Gerade, weil er im Internet mit seinen Worten so viel Macht hat, so viele Menschen auf demokratischer Ebene erreichen kann, ist nun sein Leben bedroht. Wie soll das ein Argument dafür sein, dass Worte im Internet nichts mehr gelten?

Ein paar Zitate:

Ein Viertel der deutschen eBookleser bedient sich aus illegalen Quellen.

Das kann sein, ich finde dafür keine Quellen. Aber der Satz hat keine Aussagekraft, denn wer sind die „deutschen eBookleser“? Wieviele sind das? Und was bedeutet „bedient sich“?

Die aktuellsten Zahlen, die ich gefunden habe, sagen, dass der Anteil der eBooks 2014 4,3% des gesamten Buchmarktes ausgemacht hat. Die GfK geht mittlerweile davon aus, dass 25% aller Deutschen eBooks lesen. Das wären, mit der Info aus dem Zitat, 5,1 Millionen Deutsche, die sich „bedienen“. Das Problem mit dem bedienen ist, dass dieses Wort nicht in verlorenen Umsatz umdefiniert werden kann. Weil, sobald es etwas kostenlos gibt, greifen wir zu und sammeln. Ob wir es später konsumieren, ist eine andere Frage. Ob wir es gekauft hätten, also auch.

Laut Traffic­analysen der Piraterie-Bekämpfer File Defense und Digimarc ist Deutschland Welt­meister im illegalen Stream und Sharing.

Sowohl File Defense, als auch Digimarc sind keine „Bekämpfer“. Es sind Firmen, deren Geschäftsmodell es ist, illegale Downloads zu verhindern. Natürlich fällt ihnen so eine Aussage leicht, sie wollen ja auch Kunden haben. Zudem umfasst „illegaler Stream und Sharing“ alles: Musik, Spiele, Apps, Filme und eben auch Bücher. Ich finde keine Zahlen, aber ich glaube nicht, dass Bücher hier einen großen Teil ausmachen.

Keine andere Nation bezahlt so ungern für Literatur im Netz wie das Land der Dichter und Denker, pardon, das Land der Daddler und Downloader.

Die Polemik mal ignoriert, woran wird das festgemacht?

Es wird so viel kopiert wie nie zuvor. So viel gratis verschleudert. Mediatheken, Online-Archive, gratis Zeitschriften­artikel, nahezu vollständige Bücher bei Google, Geschenk­downloads, Flatrate-Abos: Immer mehr Menschen nutzen immer mehr Kulturwerke online, ohne dafür zu bezahlen. Rund 330 Millionen Menschen nutzen täglich weltweit illegal distribuierte digitale Kultur for free.

Dies ist das beste Beispiel, wie unterschiedliche Tatsachen miteinander verwoben werden und sie dann gegenseitig bestärken sollen, obwohl sie das nicht tun. Ja, es wird soviel kopiert wie nie zuvor, dies ist unsere Art der Wissensübertragung. Es gibt auch viel mehr Wissen als früher.

Dann kommt die Aufzählung, was alles „gratis verschleudert wird“. Und diese ist falsch. Wir zahlen für die Mediatheken, entweder über die Werbung, die wir sehen, oder über unseren Rundfunkbeitrag. Genauso bei den Online-Archiven und bei den Flatrateabos. Besonders bei letzterem ist eben nichts gratis, ich zahle ja für die Flat. Wer hier aber wie ausbezahlt wird, ist eine andere Sache.

All diese Punkte führen zu der Aussage, „Immer mehr Menschen nutzen immer mehr Kulturwerke online, ohne dafür zu bezahlen.“ Das ist richtig. Weil es immer mehr Kulturwerke gibt, die kostenlos verfügbar sind, ganz legal. Jedes Jahr kommen neue Werke in die Gemeinfreiheit, Heerscharen von Freiwilligen kümmern sich darum, alte Bücher zu scannen und vor dem Vergessen zu bewahren. Millionen Künstler stellen ihre Kunst kostenlos ins Netz. Dies alles ist kein Argument dafür, dass wir alles illegal konsumieren. Hier werden verschiedene Tatsachen und Argumente miteinander verschoben. Der folgende Satz „Rund 330 Millionen Menschen nutzen täglich weltweit illegal distribuierte digitale Kultur for free.“ kann richtig sein, er hat aber nichts mit den Sätzen darüber zu tun.

100 Millionen Menschen hören Musik nur noch via Spotify.

Nein. 100 Millionen Menschen haben einen Account bei Spotify. Heißt nicht, dass sie nur noch dort Musik hören. Ich lehne mich soweit aus dem  Fenster, dass diese 100 Millionen wohl auch jene sind, die weniger CDs oder MP3s kaufen, aber den „Boom der Schallplatte“ produziert haben.

Kostenloser digitaler Kulturkonsum in diesem Umfang bleibt nicht ohne Folgen für die analoge Welt und ihre Strukturen, ob auf wirtschaftlicher, sozialer oder humanistischer Ebene.

Richtig, aber eben nicht in diese Richtung. Die Deutschen geben nicht nur immer mehr Geld aus, sie geben auch immer mehr Geld für Kultur und Unterhaltung aus. Die ganzen Aussagen über den Wertverfall der Kultur sind nicht haltbar. Im Gegenteil, aber dazu bei einem anderen Zitat mehr.

Nicht mehr die Leistungen der Schöpfer werden respektiert und honoriert, sondern die „Leistung“ des Werk-Vermittlers.

Ist das bei physikalischen Büchern nicht genauso? Geht nicht der größte Anteil jedes verkauften Buches an den Buchhändler? Und ist das nicht gerechtfertigt, denn sie sind die Gatekeeper.

Und unter Millionen Titeln wird das einzelne zum Pixelklecks, sogar die Zehn Gebote sind da nicht mehr als drei witzlose Tweets.

Wie in einer gut geführten Buchhandlung auch, wo ich viel zu viele Titel sehe, um mich wirklich alleine entscheiden zu können.

Autorinnen, die diese luftigen, flüchtigen Pixelkleckse erarbeiten, sind für den User bestenfalls virtuell, meist egal. So, wie uns die Kaffeebauern egal sind.

Das ist falsch. In beiden Beispielen. Ich trinke keinen Kaffee, aber bei meinem Tee achte ich genau darauf, welche Sorte ich trinke. Bei Büchern genauso. Ich will nicht irgendwas lesen. Ich suche „meine“ Autoren.

Das Kommentarkürzel TLDR, „Too long, did’t read“ ist das Symptom einer Selbst-Verdummung, alles in Häppchen am Bildschirmchen lesen und bewerten zu wollen. Mehr Wörter dürfen es für die meisten nicht sein! – und wer will für diese Handvoll Wörter schon wirklich zahlen?

Sind wir wieder im Jahr 2010? Weil wir in meiner Wahrnehmung diesen Punkt schon lange überschritten haben. Verlagshäuser probieren sich an verschiedenen Methoden der Monetarisierung, seien es freie oder erzwungende Paywalls. Lange Texte, sogenannte Longreads, gewinnen an Bedeutung, selbst Twitter denkt immer wieder über das Aufheben der 140 Zeichen-Begrenzung nach.

Hören Sie zum einen auf zu hoffen, sein [des Wortes] analoger Wert sei unfallfrei ins digitale zu übertragen. Das ist zurzeit nicht möglich.

Richtig, das ist ja auch gut so. Unsere digitalisierte Kultur eröffnet neue Wege und Möglichkeiten. Diese sind mit alten Verfahren nicht zu begehen. Das haben wir bemerkt, also arbeiten wir daran, die Vorteile für uns zu nutzen.

Ein Buch kann den Kollektivkonsens des digitalen Raums niemals befriedigen.

Es gibt keinen Kollektivkonsens. Im Gegenteil, jeder hat eine demokratisch hörbare Stimme. Jeder kann reden. Sonst würden Ihnen, Frau George, die „Trolle“ und negativen Stimmen im Gegensatz allen Ihnen entgegenschallenden positiven Stimmen gar nicht auffallen.

Sie werden die Blogbeiträge von Raif Badawi, wegen derer er verhaftet wurde, übrigens nie wieder im Internet finden. Sondern: Im Buchhandel.

Ja, weil sie im Internet gewissen Mächten zu gefährlich wurden. Sie sind nicht weg, weil sie unbedeutend und kostenlos waren. Sondern weil sie frei verfügbar so vielen zugänglich waren.

Verstehen Sie mich nicht falsch, Frau George, auch ich sehe viele Probleme und Risiken, mit denen wir umgehen müssen. Aber eine digitalisierte Kulturlandschaft ist hierbei nicht das Übel, sondern der Weg, auf dem wir laufen lernen müssen.

Nachtrag 28. Juni 2016:

Nina George schrieb mir:

(…) [Ich] würde mich freuen, wenn Sie diese Lese-Liste jenen anbieten, die noch eine dritte Stimme neben den unsrigen zum Abgleich meiner Thesen wünschen.

Dem komme ich hiermit nach. Folgend also die Links, die Nina George mir geschickt hat. Die gleiche Liste findet sich mittlerweile auch unter ihrer Rede auf der Seite des Börsenblatts.

Aber ich möchte darauf hinweisen, dass diese Links genauso kritisch und genau gelesen werden sollten, wie alles andere auch.

Nur als Beispiel, der Artikel über den Gutenberg 3.6 Piracy Report zitiert diesen Report, den man mittlerweile nicht mehr online findet, die Homepage dazu existiert nicht mehr. Ich kann die Aussagen also nicht verifizieren. Weiter sind die Autoren des Reports, Manuel Bonik und Dr. Andreas Schaale, Inhaber einer Firma, die versucht, Piraterie zu bekämpfen. Da werden sie schon einen Report gemacht haben, der zeigt, dass ihre Firma sinnvoll ist.

Nun aber ohne weitere Kommentare die Links, die Nina George mir geschickt hat. Ihr seid nicht dumm. Macht euch selbst einen Eindruck.

Themenkomplex Plattformregulierung und Intermediäre:

http://gema-politik.de/gastbeitrag-stefan-herwig/

http://gema-politik.de/europaabgeordnete-fordern-klarstellungen-bei-der-verantwortlichkeit-von-online-plattformen/

Themenkomplex Internet, Hyperkapitalismus, Ausbeutung menschlicher Leistung und digitale Entfremdungen:

http://www.zeit.de/kultur/2016-06/entschleunigung-internet-tariq-krim

http://www.friedenspreis-des-deutschen-buchhandels.de/445722/?aid=800948

http://www.sueddeutsche.de/politik/hyperkapitalismus-und-digitalisierung-die-totalausbeutung-des-menschen-1.3035040-2

Themenkomplex Piraterie:

http://www.gvu.de/oeffentlichkeitsarbeit/publikationen

https://tarnkappe.info/gutenberg-3-6-ebook-piracy-report-erschienen/

http://creativefuture.org/new-study-the-size-and-scope-of-global-internet-piracy-is-on-the-rise-video/#

Was übrig bleibt: „Ich möchte ihr sagen: ‘Ich kann dich verstehen. Ich weiß, was du mir sagen willst. Mit dem…“

“Ich möchte ihr sagen: ‘Ich kann dich verstehen. Ich weiß, was du mir sagen willst. Mit dem blau-schwarzen Haar und den Klamotten.’
Am liebsten würde ich sagen: ‚Wollen wir Freunde sein, du und ich?’
Aber nein, das geht nicht.
So etwas kann man nicht erzwingen.”

Das Alphabet der letzten Dinge von James Hannah

Originalpost auf „was übrig bleibt“

„was übrig bleibt“ ist eine Sammlung, sind unterstrichene Sätze, gefundene Worte & liegengebliebene Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Led Zeppelin, The Walking Dead & Co. – 5 Beispiele, warum wir über das Urheberrecht reden müssen.

Erst hört es sich so einfach an: Du machst ein Buch, einen Song, einen Film, ein Bauwerk, irgendeine Art von Kunst, also gehört es dir. Du hast das Urheberrecht und keiner darf es als seines ausgeben oder verkaufen, ohne dich daran zu beteiligen. Das Recht der Kopie, das Copyright liegt bei dir.  Und dann ist es eben überhaupt nicht einfach.

Kunst entsteht nicht aus sich heraus. Kunst ist inspiriert, vom Leben, vom Ereignissen, von schon existierender Kunst. Aber wann ist etwas inspiriert, wann ist es geklaut? Was passiert, wenn der Schöpfer stirbt, wem gehört es?

Die jeweiligen, in jedem Land nochmal unterschiedliche Gesetze werden zwar immer wieder verändert, sie kommen aber mit der schnellen Entwicklung unseres Verständnisses von Kreativität und Kultur nicht hinterher. Die heute gültigen Gesetze können nicht abdecken, was an Kreativität im digitalen Umfeld produziert wird. Fast jedes GIF verletzt das Copyright.

Hier sind 5 weitere Beispiele, die zeigen, warum wir dringend über das Copyright reden müssen:

  1.  „Stairway to heaven“ von Led Zeppelin
    David Pachali von iRights.info hat mich darauf aufmerksam gemacht, also zitiere ich ihn:

    Vergangene Woche hat der Prozess im Plagiatsstreit um Led Zeppelins „Stairway to Heaven“ begonnen. Falls die Band den Streit verliert und die Schutzschwelle gesenkt werde, würden damit am Ende die drei großen Majorlabels und Musikverlage gestärkt, meint der Kommunikationswissenschaftler Aram Sinnreich. Diese hätten dann ein neues Instrument, um gegen musikalisches Schaffen außerhalb ihrer Kataloge vorzugehen.

    Wenn ihr könnt, lest euch durch den englischen Artikel, der ziemlich genau aufzeigt, wieso Led Zeppelin eigentlich nicht verlieren kann und warum Led Zeppelin auch nicht verlieren darf.

  2. „The Walking Dead“
    Ich zitiere René von Nerdcore:

    Bigtime-Bullshit-Alarm von AMC, dem Sender mit den Walking Deads und den Breaking Bads und den Preachers. Die drohen der Fan-Website The Spoiling Dead mit dem Anwalt, weil die spoilern und über zukünftige Handlungsverläufe spekulieren. Genauer: AMC schickte denen einen Cease and Desist-Letter (sowas wie eine Unterlassungsaufforderung) und droht mit Klage, falls die Website ihre Spekulationen über das Opfer von Negan und seiner stacheldrahtbehafteten Lucille-Baseballschlägerin online postet und damit Recht behält, was gegen das Urheberrecht von AMC verstoßen solle.

    AMC versucht also, das Urheberrecht als Knebel einzusetzen, damit keiner verrät, was in der Serie passieren könnte. Was, nebenbei, schon in den Comics erzählt worden ist.

  3. Film Remixes von Scorsese und Kubrik
    Leandro Copperfield hat Filme von Martin Scorsese und Stanley Kubrick zu einem Kurzfilm zusammengeschnitten. Scorsese hat das gesehen und er mags und würde gern mehr sehen.
    Channel Criswell hat einen Video Essay über Filme von Stanley Kubrick gemacht und wird dafür verklagt.
  4. Kraftwerk vs. Pelham
    17 Jahre lang haben Kraftwerk und Moses Pelham einen Rechtsstreit über 2 Sekunden aus einem Kraftwerksong geführt, die Pelham gesampelt hat. Nun hat Pelham größtenteils Recht bekommen.
  5. Madonna vs. Salsoul Orchestra
    Madonna hatte 1990 für ihren Song Vogue ein 0,23 langes Stück aus einem Song der Band Salsoul Orchestra gesampelt. Sie wurde dafür verklagt und hat diesen Rechtsstreit kürzlich gewonnen.

Alle Beispiele sind aus den letzten paar Wochen. Wir sollten darüber reden, wir sollten genug Menschen über die Probleme informieren.

Michel Reimon hat über dieses Thema einen Roman geschrieben, der quasi nebenbei das Copyright erklärt. Damit dieses Thema noch mehr Menschen erreicht, will ich daraus ein Hörbuch machen. Dafür brauche ich aber eure Hilfe.

 

 

Test: Der Braun HC5050 Haarschneider

Neue Frisur erfordert neues Equipment. Mal sehen, wie sich #Braun schlägt.

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Nach 15 Jahren der langen Haare war irgendwann der Gedanke da, dass kurze Haare auch ganz cool wären. Und als der Gedanke sich einmal festgefressen hatte, gab es nur noch zwei Möglichkeiten. 1. Immer zu denken, ach, hätte ich es doch getan. 2. Es zu tun.

Jetzt sind die Haare kurz, 12 Millimeter. Was aber auch heißt, ich brauche einen Rasierer, um sie kurz zu halten. Also habe ich den Braun HC5050. Faktisch gibt es von Braun nur einen Haarschneider, der in drei Ausführungen mit unterschiedlicher Anzahl an Zubehör verkauft wird. Der HC5050 hat zwei Aufsätze,  aber keine Ladestation und ist damit das mittlere Gerät. Und ich dachte, hej, das ist Braun, gute deutsche Firma, das wird schon ziemlich gut sein.

Ich habe das Gerät sowohl für Bart, als auch für Haare verwendet. Der Schneider liegt gut und solide in der Hand, das Gewicht ist optimal und wertig.  Ich mag die Abwaschbarkeit und die Reduzierung auf nur zwei Aufsätze, mit denen man alle Größen einstellen kann. Auch die Schneidpower, die mit und ohne Kabel da ist, ist super. Meine sonstigen Maschinen haben irgendwann beim Schneiden der Haare an Power verloren. Diese arbeitet extrem zuverlässlich.

Aber es gibt auch einige negative Sachen und besonders die letzte Sache ist der Dealbreaker. Davor erst die anderen Sachen. Die Verpackung beinhaltet viel zu viel Plastik. Warum ist die Machine nicht einfach in einer Pappverpackung zu finden? Genauso wirkt die Tasche zur Aufbewahrung extrem billig. Wirkt nicht, wie ein Gerät von Braun wirken sollte. Durch die Möglichkeit der Längenverstellung sind die Aufsätze relativ labil und verstopfen schnell mit Haaren. Das groß beworbene Feature, dass sich das Gerät die eingestellte Länge „merkt“, ist ein Witz. Ja, es merkt sich die Länge, wenn man den Aufsatz abnimmt und säubert und wieder aufsetzt. Aber wenn man den Aufsatz wechselt, merkt es sich natürlich nichts.

Und das das Schlimmste: Die Handhabung und die Produktsprache ist ist vollkommen verfehlt. Einerseits ist das gerät nicht komplett mit Grip überzogen, das heißt, beim Benutzen liegt es nicht immer sicher in der Hand. Andererseits ist es so gestaltet, dass man einen Finger automatisch und immer auf der Längenverstellung hat und diese regelmäßig aus Versehen drückt. Warum sieht die Längenverstellung aus wie der wichtigste Knopf? Die Längenverstellung sollte irgendwo seitlich sein, damit man die einmal einstellen kann und sie dann eingestellt bleibt, bis man mit dem Schneiden fertig ist. So muss man die ganze Zeit aufpassen und nachjustieren.

Fazit und alles Unwichtige beiseite: So gut die Maschine auch schneidet, ich habe andauernd Angst, dass ich die Länge verstelle. Deshalb kann ich das Gerät nicht empfehlen. Aber ein besseres habe ich auch noch nicht gefunden.

trnd hat mir ein Gerät zum testen zur Verfügung gestellt.

 

#WarumIchLese

Sandro sammelt Geschichten von Literaturbloggern darüber, warum wir lesen. Das ist meine.

Ich kann nicht den einen Grund dafür benennen, warum ich lese. Aber ich habe die folgenden Erinnerungen im Kopf, die eine unvollständige, aber erklärende Antwort ergeben:

  1. Auf dem Weg von der Schule nach Hause kam ich, mit leichtem Umweg, an einem Zeitschriftenladen vorbei. Mittwochs erschien die Mickey Maus. Also kaufte ich mir jeden Mittwoch das Heft. Aber bis ich den Rest des Weges nach Hause zurückgelegt hatte, hatte ich das Heft auch schon durchgelesen. Mein Vater kaufte mir irgendwann eine Handvoll Lustiger Taschenbücher, die Comics aus Entenhausen, die damals monatlich erschienen. Ich erinnere mich daran, mein Vater stand auf dem Balkon im ersten Stock und sah zu mir herunter, ich stand im Garten und er fragte mich nach den Comics und ich antwortete, die Geschichten seien mir zu groß. Zu lang. Ich konnte sie nicht fassen. Zumindest für eine Zeitlang.
    Danach sammelte ich mir auf Flohmärkten die alten Ausgaben zusammen und hatte auch das Abo der LTB. Ich habe drei jüngere Geschwister, das Abo wurde von Kind zu zu Kind weitergegeben. Bis heute bekommen meine Eltern die Lustigen Taschenbücher nach Hause geschickt. Ich habe leider schon viel zu lange nicht mehr darin gelesen.
    Im Nachhinein ist mir aber aufgefallen, wie ich durch Bearbeitung bekannter Stoffe und die Verwandlung Comicgeschichten mit einer gewissen Art von Vorwissen an „echte“ Literatur herangegangen bin.
  2. Als ich 12 war, ist unser Fernseher kaputtgegangen. Wir hatten nur drei Programme, aber eines davon reichte, um mich stundenlang davor zu setzen. Dann entschieden meine Eltern aber, dass es keinen neuen Fernseher geben würde. Nach einer gefühlten Ewigkeit der Langeweile, alle Comics, die ich hatte, hatte ich durchgelesen, rang ich mich dann doch durch, ein Buch ohne bunte Bilder in die Hand zu nehmen. Vielleicht nicht das erste, aber eines der ersten war Michael Endes „Unendliche Geschichte“, in der Hardcoverversion im roten Seidenumschlag, eingeprägtem Auryn und natürlich der zweifarbigen Schrift.
    Ich habe dieses Buch überall mitgenommen und gelesen. Manchmal auch irgendwo vergessen, einmal auch auf dem Balkon im Regen. Bis heute ist das Buch gewellt. Und geliebt.
  3. Danach habe ich überall gelesen. Was ich heute mit dem Smartphone mache, habe ich früher mit Büchern gemacht, ich hatte immer eines vor der Nase. Im Zug, in den Pausen in der Schule, beim laufen. Selbst beim Fahrradfahren habe ich mir ein Buch in die Lenkertasche gestopft. Da hin, wo normalerweise die Straßenkarten kommen. Selbst, wenn ich mit Freunden unterwegs war, hatte ich ein Buch dabei. Als Kind war ich oft allein, aber niemals einsam.
  4. Wie sehr mich Bücher bannen können: Ich lag auf dem Sofa im Wohnzimmer und las „Das Jesusvideo“ von Andreas Eschbach, eine Verfolgungsszene durch die israelische Wüste und ich war dort. Ich spürte die Hitze und den Sand und den Fahrtwind. Das Adrenalin und den salzigen Geschmack auf den Lippen. Meine Eltern mussten mich mehrmals rufen, um mich aus dieser Welt zurückholen zu können.

Natürlich, je länger ich darüber nachdenke, desto mehr solcher Momente fallen mir ein. Aber dies sind die ersten. Ich bin aufgewachsen in einem Haushalt, in dem es schon immer Bücher gab. Was nicht unbedingt heißt, dass man auch viel liest. Bei mir hat es geklappt. Ich bin ziemlich froh drum. Bis heute sind Geschichten der größte Teil meines Lebens. Ich konsumiere sie, ich produziere sie, ich liebe sie.

Roman: Willkommen in Night Vale von Joseph Fink und Jeffrey Cranor

Lesestoff: Willkommen in Night Vale von Joseph Fink und Jeffrey Cranor. Urban Fantasy, baby.

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Der erste Absatz aus Willkommen in Night Vale:

Die Geschichte von Night Vale ist lang und verschlungen, sie reicht Tausende Jahre zurück, bis zur ersten Besiedelung der Wüste.

Darum wird es im Folgenden nicht gehen.

Worum es überhaupt geht in diesem Roman, ist für ziemlich lange Zeit nicht klar. Aber auch nicht wichtig. Willkommen in Night Vale lebt von seiner Skurrilität, sowohl in den Figuren und in der Geschichte, aber auch im Schreibstil.

http://wasuebrigbleibt.tumblr.com/post/145702602327/die-ganze-welt-ist-eine-grafik-die-dir-wenn-du

Ursprung dieser Welt, die Fink und Cranor in diesem Roman beschreiben, ist ein Podcast, in zweimal im Monat die Neuigkeiten der Stadt Night Vale im Stil von Radiosendungen verteilt. Es gibt mittlerweile mehr als 80 Episoden, ein paar Sondersendungen, Live-Shows und im englischen Raum mehr als ein Buch. Heißt, wenn man, wie ich, nur dieses Buch liest, dann weiß man nicht, wie viele Insider man verpasst.

Im ersten Drittel des Buches war ich fasziniert von der Unvorhersehbarkeit, den skurrilen Figuren und dem immer wieder irritierendem Stil. Im zweiten Drittel fand ich genau diese Dinge dann anstrengend. Da fehlte mir eine Story,  die mich dazu bringt, weiterzulesen. Weil sich dann doch irgendwann alles im Kreis dreht. Das macht ne Weile Spaß, dann wird es anstrengend.  Das letzte Drittel dagegen zieht wieder an, da greift dann endlich die Story und zumindest ein paar der viel zu vielen Fäden laufen dann endlich zusammen.

Willkommen in Night Vale ist ein abgefahrenes Buch, welches sich nicht einfach einordnen lässt. Ich kann nicht sagen, für Fans von was das Buch funktioniert. Deshalb am besten die Leseprobe antesten und wem der Stil gefällt, der wird auch mit dem Rest des Buches seinen Spaß haben. Alle anderen: Sorry, nicht alle Welten öffnen sich jedem.

Willkommen in Night Vale von Jeffrey Cranor und Joseph Fink wurde übersetzt von Wieland Freund und Andrea Wandel und erschien bei der Hobbit Presse bei Klett-Cotta. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Manche der Links gehen zu Amazon, ihr seid aber mündig. Holt euch eure Bücher, wo ihr wollt.