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Neuer Podcast: Abschicken.

Mir hing diese Idee ein paar Tage im Kopf. Hab‘ ein bisschen gebastelt und da ist es: Abschicken. Sprachnachrichten über das Leben, das Universum und den ganzen Rest. Als Podcast. ich weiß selbst nicht so genau, wohin das führen wird. Aber ich will diesem Pfad ein bisschen folgen. Genug Pathos, hier ist Folge 0. Das Ganze gibts auch bei Spotify, als RSS-Feed und bei jedem anderen Hörbuchdealer eurer Wahl.

Wenn ihr was dazu sagen wollt oder mitmachen wollt, ihr könnt da direkt Sprachnachrichten hinschicken. Yeai.

Spiel: Escape Dysturbia – Falsches Spiel im Casino

Dysturbia ist ein Moloch, eine Stadt voller Gangster und korrupter Polizisten, eine Stadt direkt aus einem Film Noir. Dyscover ist eine Detektei, die letzte Bastion des Guten – und euer Team. 

Falsches Spiel im Casino ist der zweite Teil, 2018 hat homunculus spiel mit Mörderischer Maskenball einen spannenden und schönen Auftakt dieser Reihe vorgelegt, mit ein paar sehr schönen Details, die ich so noch nicht in einem Escape Game gesehen hatte.

Damit hat sich homunculus aber auch selbst eine hohe Latte gelegt, an der sie für mich dieses Mal leider gescheitert sind.

Das Schöne an der Reihe ist, dass alle Fälle in der gleichen Welt passieren und das Team aus Mörderischer Maskenball auch jetzt wieder zum Einsatz kommt und ich als Spieler sogar belohnt werde, wenn ich den ersten Fall schon erfolgreich absolviert habe. Das gibt das Gefühl einer größeren Welt, einer Eingebundenheit, die ich bei anderen Escape Games bisher nicht hatte. Und dieses Film Noir Thema ist natürlich dankbar für alle möglichen Geschichten, in denen es Rätsel zu lösen gibt.

Diesmal also im Casino. Wieder müssen wir vorher entscheiden, wen wir aus unserem Team mitnehmen. Jeder Charakter hat Stärken, die es abzuschätzen gilt. Auch das bleibt spannend und ist anders, besonders weil es bei so einem Escape Game ja eben nicht einfach möglich ist, das Spiel mit neuen Charakteren von vorne zu spielen. Das würde viel kaputt machen.

Letztes Mal fand ich es noch schade, dass es keinerlei Soundtrack bei dem Spiel gibt, diesmal legen die Leute von homunculus spiel da einen sehr großen Fokus drauf. Es gibt nicht nur einen Soundtrack, es gibt Bänder die wir finden und abspielen müssen und es gibt Hinweise, die man nur hören kann, wenn man genau hinhört. Es gibt auch Telefonnummern, die ich anrufen kann und Videos, die ich mir ansehen muss und natürlich die unvermeidlich tickende Uhr.

All das, besonders das Gefühl, immer leise sein zu müssen, um bloß keinen Hinweis zu überhören, hat das Spiel diesmal leider etwas anstrengend gemacht.

Nachdem wir den Fall gelöst und auch die letzte Entscheidung getroffen haben (wieder ein sehr schönes Element), waren wir zwiegespalten.

Escape Dysturbia ist immer noch eine tolle Welt, in der spannende Geschichten erzählt werden, die Spaß machen. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, das Entwicklerteam wollte zu viel, sodass ich manchmal überfordert war und nicht so frei spielen konnte, wie ich es gern hätte.

Trotzdem, ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Escape Dysturbia: Falsches Spiel im Casino erschien beim homunculus verlag. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexeplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Münzgesteuerte Geschichte von Francis Nenik.

Am 31. Oktober 1963 trat William Croswell in Amanda Hollis’ Leben. In einer Pappbox. In 234 Teilen.

Der erste Absatz aus Münzgesteuerte Geschichte.

Eine junge Archivarin in den 1960ern in Amerika, die sich durch die Hinterlassenschaft eines anderen Archivars arbeitet, um vielleicht irgendetwas spannendes in seinem – und damit auch in ihrem – Leben zu finden. Das ist die Prämisse.

Francis Nenik erzählt nicht immer leicht, aber gut lesbar. Manchmal schweift Nenik ab und erzählt Anekdote in Anekdote, bevor er zurück zur Geschichte kommt. Und bevor er ins Absurde abrutscht. Ich will gar nicht viel verraten, aber ziemlich bald denke ich beim lesen, was genau passiert hier eigentlich gerade? Das ist okay, das passiert regelmäßig und viele Bücher funktionieren darüber, mich herausfinden zu lassen, was gerade passiert.

Im Fall von Amanda und der Vinland-Map, die irgendwann eine Rolle spielt, wird vieles davon aber bis zum Ende nicht aufgelöst und bleibe mit meinen Fragezeichen zurück.

Ich lerne viel, beispielsweise über die oben genannte Karte. Wobei bei Nenik eben nie klar ist, ob das, was ich lerne, Fakt oder Fiktion ist. Weil er das sehr gerne macht, genau auf der Grenze zwischen Wahrheit und Geschichte zu spazieren. Das macht eine Zeitlang Spaß und ist mehr als okay zu lesen, aber besonders, weil mir am Ende zu viele Fragen offen bleiben, ist auch das Leseerlebnis nicht wirklich befriedigt.

Münzgesteuerte Geschichte ist eine historische Ausschweifung absurder Dinge, inklusive Verschwörungstheorie, die mein Leben nicht verändert hat, aber zumindest Spaß gemacht hat.

Die Veröffentlichungsgeschichte ist fast genauso wirr, wie die Geschichte selbst: Es gibt eine kostenlose Version auf Fiktion.cc, eine Buchfassung unter dem Titel Die Untergründung Amerikas bei der ed[ition] cetera, dem Hausverlag von Nenik und eine Taschenbuchausgabe mit neuem Cover.

Buch: Micro Science Fiction von O. Westin

„Selbstverständlich haben auch Maschinen Gefühle, aber sie brauchen Hilfe, um sich auszudrücken“, sagte der Professor.“

Der erste Satz der ersten Geschichte in Micro Science Fiction von O. Westin.

Seit 2013 veröffentlich O. Westin Science Fiction Kürzestgeschichten auf Twitter.

Birthe Mühlhoff hat sich aus 1000 Geschichten rund 350 ausgesucht und sie ins Deutsche übertragen. Viele Perlen darunter, die zeigen, wie sauber O. Westin Weltenbau in kleinster Form betreibt, oft mit einem kleinen Twist und regelmäßig mit der Empathie für andere Sichtweisen.

Das ist für mich das Schönste an seinen Geschichten: Wie Westin es in seinen kleinen Bildern schafft, Dinge wie Monster und Außerirdische auf feine Art menschlich zu machen, ihnen Aspekte zu geben, die wir in unserem Schubladendenken erstmal nicht haben. Das findet sich auch in diesen 350 Geschichten.

Nicht alle sind für mich Highlights und wenn man sie am Stück liest, ist das wie ein Besuch in einem viel zu großen Museum: Irgendwann kann ich nichts mehr aufnehmen.

Trotzdem: O. Westin schafft kleine, leuchtende Perlen, die den Kopf erweitern und das Herz erfüllen. Jetzt auch auf Papier.

Micro Science Fiction von O. Westin wurde ausgewählt und übersetzt von Birthe Mühlhoff und erschien bei mikrotext. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Miroloi von Karen Köhler

„Eselshure. Schlitzi. Nachgeburt der Hölle. Ich war schon von Anfang an so hässlich, dass meine eigene Mutter mich lieber hier abgelegt hat, statt mich zu behalten.“

Der erste Absatz aus Miroloi von Karen Köhler.

Eine Insel mit abgeschnittener Gesellschaft, eine junge Frau, die dort niemals willkommen war.

Schon in ihrer Geschichtensammlung Wir haben Raketen geangelt erzählt Karen Köhler mit schlichter, bildhafter Sprache, das passiert auch hier.

Obwohl schon der Anfang krass losgeht, schafft Karten Köhler mich, mit ihrer Sprache einzufangen und darüber hinaus, trotz des – mit Verlaub – beschissenen Lebens der Protagonistin, ihr Eigenheiten zu geben, die ich bewundere.

Ich komme aber auch nicht umhin, manche Facetten dieser Welt als fast zu plumpe Allegorien der unseren zu sehen. Vielleicht kann ich das als weißer Mann mit meinem Erfahrungshorizont nicht greifen, aber in einigen Momenten kann ich die eigentlich sehr kluge und raffinierte und selbstbewusste Protagonistin in ihrer Naivität und die Dinge, die im Dorf passieren, nicht ernst nehmen. Das wird im Laufe des Romanes immer schlimmer.

Schade, weil Köhler nicht nur eine sehr schöne Sprache hat, die ich gerne lese, sondern auch das Versprechen für mehr legt, das nicht eingehalten wird.

Besonders am Ende des Romanes habe ich das Gefühl, jetzt könnte es richtig losgehen. Diesen Teil der Geschichte muss ich mir aber ausdenken.

Miroloi von Karen Köhler erschien bei Hanser. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.