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Hörbuch: Mortal Engines – Krieg der Städte von Philip Reeve, gesprochen von Robert Frank

Es war ein dunkler, böiger Nachmittag im Frühling, und im ausgetrockneten Bett der Nordsee eröffnete London die Jagd auf eine kleine Schürferstadt.

Der erste Satz aus Mortal Engines – Krieg der Städte

In einer dystopischen Zukunft bewegen sich die Städte und Ortschaften auf riesigen Ketten und Rädern durch die zerstörte Natur, auf der Suche nach kleineren Städten, die sie sich einverleiben können.

In dieser Welt kommt Tom einer Verschwörung auf die Spur, die seine Heimatstadt London samt seiner Helden in einem ganz anderem Licht zeigt.

Ich sah den Trailer zum dazugehörigen Film, mochte das Setting und diese gezeigte Welt sehr und erfuhr, dass es eine ganze Buchreihe gibt, samt Hörbüchern.

Mortal Engines ist einfach, manchmal sogar plump geschrieben. Besonders der Anfang hat es mir schwer getan. Auch, weil ich mich erst an die Spreche von Robert Frank gewöhnen musste. Frank hat anfangs einen stakkatoartigen, distanzierten Duktus drauf. Vielleicht hatte auch er es noch mit dem Text schwer. Im Laufe des Buches wird er immer flüssiger und zeigt auch sein Talent, Figuren eine eigene Stimme und eigenen Charakter zu geben.

Nachdem ich mich an die Sprache von Reeve gewöhnt hatte, nachdem die Welt und das Setting eingeführt waren und die Geschichte an Fahrt aufnahm, war ich drin. Über neun Stunden folge ich Tom und seiner Gefährtin Esther durch diese steampunkige Welt, treffe Heldinnen und skurrile Gestalten, täusche mich in Menschen und sehe ihnen zu, wie sie über sich hinauswachsen. Und als es vorbei ist, weiß ich, dass es im nächsten Band weitergeht.

Die Sprache ist einfach und manche Momente sind ein wenig plump, aber Reeve hat eine phantastische Welt geschaffen und ich reise gern mit seinen Bewohnern.

Mortal Engines – Krieg der Städte von Philip Reeve, übersetzt von Gesine Schröder und Nadine Püschel, wurde gesprochen von Robert Frank und erschien bei Argon. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

10 Jahre mokita.de

seit 2009 betreibe ich diesen Blog. Yeai. Seitdem: 2350 Kommentare rund 1550 Beiträge, das heißt 0,42 Beiträge pro Tag. Fast 100 Geschichten, Texte und Gedichte, 2 Hörbücher, 1 Roman. Bitte. Danke. Lächeln, Fabian.

Buch: Dodgers von Bill Beverly

Die Jungs kannten nur The Boxes, für sie gab es nichts anderes.

Der erste Satz aus Dodgers

Vor einem Jahr las ich zum ersten Mal über dieses Buch, über die vier Jungs, die ihr Viertel in Los Angeles noch nie verlassen hatten und nun auf einen Road Trip durch die USA aufbrachen, um einen Auftrag zu erledigen. Der Plot explodierte in meinem Kopf. Geile Idee und so viele Möglichkeiten, an die allein ich dachte. Ich war ziemlich gespannt und freute mich darauf, das Buch endlich in die Hände zu bekommen.

Jetzt ist es da, das Cover ganz anders als sonst auf der Welt, und ich bin nach dem Lesen enttäuscht. Weil, ja, es geht um diese vier Jungs und ihren Trip. Und es ist auch leicht zu lesen. Aber Bill Beverly kommt vollkommen ohne Emotionalität aus, was dem ganzen Roman eine kühle Distanz verleiht, die mich auch immer wieder fragen lässt, wie es den Protagonisten eigentlich geht.

Zusätzlich habe ich das Gefühl, dass Beverly mit seiner Idee unglaublich viele Dinge hätte machen können. Er aber kaum was damit macht. Dafür, dass die Jungs noch nie aus L.A. draußen waren, interessiert oder verwundert sie kaum etwas, als sie unterwegs sind. Sie reagieren kaum auf die Welt, was die ganze Reise irgendwie unnötig macht. Und dann baut der deutsche Klappentext auch noch Erwartungen auf, die eigentlich als Twist im letzten Drittel gedacht waren.

Dodgers ist kein schlechtes Buch. Ganz viele andere finden es sogar großartig. Ich habe es schnell lesen können und ich war auch in einer Realität, die karg und düster und ganz weit weg von meiner ist, glücklicherweise. Aber es ist nicht das Buch, die Road Novel, die Coming Of Age Geschichte, auf die ich mich gefreut habe. Schade.

Dodgers von Bill Beverly wurde übersetzt von Hans M. Herzog und erschien bei Diogenes. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Das Debüt 2018: Meine Juryentscheidung

Runde 3! Schon für 2016 und 2017 habe ich als Juryblogger die fünf Romane gelesen, dies Jahr also wieder. Allein das Erstellen der Shortlist, die vom Team von Das Debüt ausgefuchst wird, ist eine langwierige und mutige Aufgabe, danach liegt es in den Händen von uns Bloggern, über das Beste zu entscheiden. 14 Menschen mit eigener Meinung und Leseempfinden.

Das Schönste an dieser Sache ist gar nicht die Entscheidung am Ende, sondern die Diskussionen dorthin. Die Facebookgruppe, die zeigt, wie unterschiedlich wir lesen und empfinden und wie leidenschaftlich wir unsere Lesart verteidigen können.

Vor der eigentlichen Vergabe meiner Punkte hier die Gewinner der Nebenkategorien.

Schönstes Cover: Orchis von Verena Stauffer, erschienen bei Kremayr & Scheriau. Das ganze Buch fühlt sich wertig an und das Cover schafft es, den Inhalt auf eine ganz schöne Art zu kommentieren, ohne Dinge zu verraten.

Schönster Titel vor dem Lesen: Der letzte Huelsenbeck von Christian Y Schmidt, erschienen bei Rowohlt. Alle Shortlistitel hatten relativ kurze, kryptische Titel, die ich Wissen über den Inhalt kaum deuten konnte. Der letzte Huelsenbeck machte mich am Neugierigsten.

Schönster Titel nach dem Lesen: nichts, was uns passiert von Bettina Wilpert, erschienen im Verbrecher Verlag. Alle Titel offenbarten sich erst nach dem Lesen, bei diesem hier hatte ich aber dann jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich jemandem von diesem Buch erzählt habe. Weil es es die Antwort vorwegnimmt, die das Buch auseinandernimmt. Hört sich auch kryptisch an, erklärt sich aber mit dem Buch.

Schönster erster Satz: ‚Das Erwachen auf dem Schiff nach wochenlanger Überfahrt glich dem Auftauchen eines Kugelfischs aus schwarzen Meeresgründen in leuchtende Korallenriffe.‘ aus Orchis von Verena Stauffer, erschienen bei Kremayr & Scheriau. Ich bin mitten im Geschehen, ich ahne die Erzählart und den Stil und ich will mehr wissen.

Gleich zu meinen Top 3. Vorweg aber, meine Wertung ist meine persönliche Sichtweise und die Plazierung sagt nichts über die Qualität der Bücher aus. Im Gegenteil, ich ahne, dass die beiden nicht Platzierten gute Bücher sind. Aber sie sind eben nicht mein Geschmack oder Leseempfinden.

Platz 3: Der letzte Huelsenbeck von Christian Y Schmidt, erschienen bei Rowohlt. Ich habe hin und her überlegt, wer auf diesen dritten Platz kommt. Weil alle für mich verbliebenen Bücher nicht das einlösen, was sie für mich einlösen sollten. Der letzte Huelsenbeck ist also der beste Kompromiss. Die Geschichte eines Mannes, der nach der Beerdigung eines alten Freundes versucht, Licht in die gemeinsame Vergangenheit zu bringen. Versucht, zu rekonstruieren, was sich in seiner Erinnerung irgendwie komisch anfühlt. Im letzten Drittel des Romanes bekommt Schmidt für mich die Kurze und schafft es, mir Sichtweisen auf die Geschichte zu geben, die sie tatsächlich nochmal interessant machen. Alles in allem eine eigentlich gute Geschichte die leider zwei ganz große Probleme hat: Einerseits wird sie viel zu ausufernd erzählt, die Hälfte des Buches hätte gereicht. Andererseits ist mir der Protagonist bis zum Ende extrem unsympatisch. So sehr, dass ich ihm nichts gönne. Sehr schade, weil die erzählte Geschichte für mich gut funktioniert.

Platz 2: Bevor wir verschwinden von David Fuchs, erschienen bei haymon. Ein junger Arzt, der auf seiner Station seiner ersten großen Liebe wiederbegegnet, im letzten Krebsstadium. Ich brauchte, bis ich auf die Sprache klar gekommen bin, auf diese Art des Erzählens. Direkt, fast schon distanziert und emotionslos. Aber dann, eigentlich schon, nachdem ich mit dem Buch durch war, hat es mich lange nicht losgelassen.

Platz 1: nichts, was uns passiert von Bettina Wilpert, erschienen im Verbrecher Verlag. Ein auf den simplen Schriftzug reduziertes Cover, ein kryptischer Titel und ein Verlag, von dem ich bisher kaum oder sogar gar nichts gelesen habe. Eine Geschichte über eine Vergewaltigung. Nicht die in der dunklen Ecke einer Seitengasse, mit vermummten Gestalten und verzweifelter Gegenwehr. Sondern auf einer Party, die beiden kennen sich. Second Night Stand. Und es steht danach Aussage gegen Aussage. Erinnerung gegen Erinnerung. Wilpert erzählt keine Geschichte, sie lässt nicht nur die beiden, sondern auch Freunde und Bekannte sprechen. Sammelt Meinungen und stellt sie unkommentiert nebeneinander. Ich als Leser muss entscheiden, wem ich glaube, wessen Gefühl stärker wiegt. Ich kriege das bis zum Ende nicht hin. Ich kann mir keine Meinung bilden. Und genau dieses Dilemma macht dieses schmale Buch so stark und emotional.

Mein 2018 als Liste.

Über Freunde, die über keine sozialen Netzwerke verfügen, kam diese Liste. Ich beantworte sie für sie, für euch und für mich. Wer mitmachen will, ist eingeladen.

Die besten Bücher im Jahr 2018 gelesen:
– Buch der Zahlen von Joshua Cohen
– Der Spaß an der Sache. Alle Essays von David Foster Wallace

Die besten Stellen:
Ich habe einen ganzen Blog für die besten Stellen: was übrig bleibt

Bücher, auf die man sich 2019 freut:
Ich habe ganze Stapel, ein Regal ungelesener Bücher, sowohl analog, als auch digital, und ich freue mich auf viele von diesen. An Neuerscheinungen freue ich mich grade sehr auf „Das Licht“ von TC Boyle.

Bester Film:
Bohemian Rhapsody war ein großer musikalischer Spaß, Auslöschung ist ein krasser Brainfuck mit guten guten Gedanken und in Three Billboards outside Ebbing, Missouri wurde ich geschleppt, ohne zu wissen, was es wurde. Und es wurde wundervoll.

Bestes Konzert:
John Butler in München

Bestes Album:
Weiß ich nicht. Ganz viele automatische Playlists gehört oder die Freundin entscheiden lassen.

Der eigene Höhepunkt 2018:
Die Zusage für die UFA-Serienschule, die ich von Mitte Januar bis Anfang Mai besuchen werde. Ich halte auf dem Laufenden.

Der eigene Tiefpunkt 2018:
Mehrfache Zweifel am eingeschlagenen Lebensweg. Es gibt viele Dinge, die sehr gut funktionieren, die ich kann, die mir Spaß machen. Aber dass es noch kein in einem Verlag veröffentlichtes Buch gibt, nagt sehr an mir. Und ja, ich weiß, eigentlich muss ich nur so lange weitermachen, bis es funktioniert. Aber ich konnte dies Jahr nachvollziehen, warum Menschen irgendwann für das weitermachen keine Kraft mehr haben und ich habe Angst, irgendwann ein verbitterter alter Mann zu werden.

Das Jahr zusammengefasst:
Sehr viele Umwälzungen und Bestätigung in der Hingabe. 

Der peinlichste Moment:
Weiß ich gerade nicht. Ich habe gerade überhaupt keinen peinlichen Moment des Jahres, der mir in Erinnerung geblieben ist.

Ein unentdecktes Talent, das endlich entdeckt wurde:
Sobald mir das einfällt, werde ich das nachreichen.

Erste Male:
– Bouldern. Dann gleich zweimal in diesem Jahr. Kann ich machen, macht Spaß. Gerne wieder.
– TEDx Stuttgart moderieren.
– Ein Tattoo.
– Einen Hackintosh bauen.

Und ihr so?
Liebe, Umarmung, Fabian

Buch: Der Spaß an der Sache von David Foster Wallace

David Foster Wallace war als Journalist berühmt und berüchtigt.

Der erste Satz aus dem Vorwort von Ulrich Blumenbach in Der Spaß an der Sache.

Zehn Jahre nach seinem Tod veröffentlicht KiWi erstmals alle Essays von David Foster Wallace auf Deutsch, in einem Band. Mehr als 1000 Seiten in einem silbernen Umschlag samt schwarzer Schrift, wie der silberne kleine Bruder von ‚Unendlicher Spaß‚ passen die beiden wunderbar zueinander.

Ulrich Blumenbach hat nicht nur die meisten Texte des Bandes übersetzt, sondern auch die Reihenfolge vorgegeben. 35 Texte, sortiert in Themen wie Tennis, Politik oder Leben.

Ich durfte mich in Hildesheim ein Semester lang mit Wallace auseinandersetzen, ein paar seiner Texte, Essays und Ausschnitte aus den Romanen lesen und sich immer tiefer darin verfangen. Ich glaube, ohne eine gewisse Vorbereitung, ohne ein bisschen Vorwissen kann Wallace einen erstmal erschlagen. Selbst für mich war dieses Buch eine Bergbesteigung, die sich auf jeden Fall gelohnt hat, die aber immer mal wieder sehr sehr anstrengend war.

Ich glaube kaum, dass viele dieses Buch in einem Stück lesen, sondern sich immer mal wieder einen Essay zu Gemüte führen. Nebenbei sieht es ziemlich gut aus im Regal. Ich habe es von vorne bis hinten gelesen und neben der Anstrengung und der Freude passiert bei diesem hintereinander weglesen etwas, das Blumenbach auch in der Einleitung erwähnt: Zwischen den Essays, die mehr als 25 Jahre des Schaffens umspannen, tauchen Verbindungslinien auf. Dinge, die sich kreuzen, Gedankengänge, die wieder auftauchen und konkreter werden und Erwähnungen, die aufgrund des Vorwissens ganze Synapsenfeuerwerke auslösen. Plötzlich sind es eben nicht einzelne Texte, sondern Teile eines umspannenden Werkes.

Ich musste mich immer wieder aufraffen, mich durch alles zu lesen, besonders, wenn die Themen mich erstmal nicht interessiert haben. Aber besonders in diesen Essays hat Wallace es geschafft, mich neu für Dinge zu sensibilisieren. Nicht immer zu begeistern, aber zumindest den Respekt für Dinge wie Tennis oder Landwirtschaftsmessen oder Kreuzfahrten aufzubauen.

Der Spaß an der Sache ist ein großes Buch in mehrlei Hinsicht, eine wunderbare Sammlung voller Ideen und Gedanken, die mich lange beschäftigt haben. Immer noch beschäftigen.

Der Spaß an der Sache von David Foster Wallace wurde herausgegeben von Ulrich Blumenbach, übersetzt von Ulrich Blumenbach und Marcus Ingedaay und erschien bei KiWi. Der Verlag hat ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Ich habe das Buch auch im Podcast des literaturcafe.de besprochen.

Buch: Der Fall von Gondolin von J.R.R. Tolkien, herausgegeben von Christopher Tolkien

Endlich wieder Mittelerde! Und dann auch noch Illustriert von Alan Lee. „Der Fall von Gondolin“ ist das wahrscheinlich letzte von Christopher Tolkien herausgebrachte Werk seines Vaters, der Mann ist mittlerweile 94 Jahre alt, und erzählt die Geschichte des Menschen Tuor auf seiner Suche nach der geheimen Elbenstadt Gondolin.

Bekannt ist dieses Epos schon aus dem „Silmarillion“ und den „Nachrichten aus Mittelerde“, jedoch werden uns im vorliegenden Band alle Fassungen der Geschichte präsentiert, kommentiert und in Tolkiens Lebensgeschichte eingeordnet.

Die Idee ist nicht neu, Christopher Tolkien hat schon bei „Die Kinder Húrins“ und „Beren und Lúthien“ diese Art der Veröffentlichung angewandt. Sie funktioniert. Wissenschaftlich fundiert und liebevoll werden die unterschiedlichen Texte in ihren  Mittelerdekontext eingeordnet und ergeben in ganz unterschiedlicher Sprachqualität ein detailliertes Bild von Tolkiens Arbeit und dessen schriftstellerischer Entwicklung.

Kann man dieses Buch als Mittelerdeneuling genießen? Nein! 

Durchgängige Querverweise auf weitere Werke des Autors, selbstverständliches Erwähnen von etablierten Charakteren und die selbe Geschichte in acht Fassungen und ihren unterschiedlichen Enden sind nur für Tolkienfans ein Genuss.

Für alle, die Spaß am „Silmarillion“ hatten und die sich gern mit Literaturanalyse beschäftigen, ist „Der Fall von Gondolin“ aber auf jeden Fall ein Erlebnis. Gerade durch die unterschiedlichen Fassungen taucht man in Tolkiens Phantasie ein und fühlt, wie sehr ihm die Figuren mit jeder Version mehr ans Herz wachsen.

Solltet ihr nur durch das Schauen der Herr der Ringe Filme bewogen worden sein, das Buch zu kaufen, dann probiert euch aus, lasst euch anlocken von Tolkiens Welt und freut euch, dass Legolas einen kurzen, aber typischen Auftritt hinlegen wird.

Der Fall von Gondolin“ von J.R.R. Tolkien, herausgebracht von Christopher Tolkien, illustriert von Alan Lee und übersetzt von Helmut W. Pesch, erschien bei der Hobbit Presse von Klett-Cotta. Der Verlag hat ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Gastrezension von Felix Heller, Dauerbahnfahrer und dadurch Vielleser. In völligem Größenwahn gründete ein Orchester und singt nun Pop und Schlager auf japanisch oder türkisch. Hauptberuflich bringt er Opernsängerinnen und -sängern Bühnendeutsch bei, spielt Musicals und moderiert sich durch die Republik. 

Hörbuch: Lovecraft Country von Matt Ruff, gelesen von Simon Jäger

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Atticus war schon beinahe zu Hause, als der State Trooper ihn rechts heranfahren ließ.

Der erste Satz aus Lovecraft Country

Diese Geschichte spielt in den 1950ern in Amerika, einer Zeit voller Rassismus und vorgeheuchelter Moral, sie erzählt von Atticus und seiner Familie, von ihrem für mich unvorstellbarem Alltag. Und der Magie, die plötzlich in ihr Leben tritt. Denn in dieser Realität existieren die Paralleldimensionen, die Monster und die magischen Kräfte aus H.P. Lovecrafts Geschichten tatsächlich. 

Urban Fantasy in den 1950ern, voller schwarzem Humor, der mir ein paar Mal Gänsehaut macht. Es ist eine ganz komische Mischung, die den Umgang mit Schwarzen damals viel krasser darstellt, als ich gedacht habe.

Neben einer grandiosen und schön erzählten Geschichte (die Serie dazu soll 2019 anlaufen) und Simon Jäger fasziniert mich die Art, wie die Protagonisten mit Unglaublichem umgehen.

Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass es mir in Büchern, Serien und Filmen mittlerweile zu lange dauert, bis die Charaktere in den Geschichten akzeptieren, dass es Vampire/Zeitreisen/den Teufel/Zombies/was auch immer gibt. Oft gehe ich ja mit der Prämisse in die Geschichte und meine Fähigkeit, meinen Unglauben willentlich auszusetzen, ermöglicht mir, den Fakt „Vampire/Zeitreisen/Teufel/Zombies/was auch immer“ als gegeben anzusehen. Und da es in der Geschichte darum geht, werden auch die Protagonisten irgendwann daran glauben. Warum muss ich mir dann mehrere Seiten/Minuten durchlesen/anhören/ansehen, bis sie auch irgendwann dran glauben.

In diesem Fall ist diese Zeit der Akzeptanz sehr sehr kurz. Die Personen in der Geschichte brauchen zwar auch einen Moment, dieser ist aber erfrischend kurz gehalten, was die Erzählweise beschleunigt und mehr Zeit für interessantere Sachen gibt, als da langsame Anerkennen der Magie.

Lovecraft Country ist einerseits ein schmerzhaftes Abbild des Rassismus in Amerika, der bis heute auch bei uns zu spüren ist, andererseits eine Geschichte voller Magie und schwarzem Humor. Simon Jäger synchronisiert Matt Damon und vertont vornehmlich Thriller, seine Stärke sind aber Komödien wie diese. Großer Spaß und Gänsehautfaktor in einem. Das war mein erstes Buch von Matt Ruff, es kommen weitere.

„Lovecraft Country“ von Matt Ruff, gelesen von Simon Jäger, übersetzt von Anna Leube und Wolf Heinrich Leube, erschien bei Argon. Der Verlag hat ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Der Löwe Alexandro Lolo und die Prinzessin Marina Schmidt. Ein Schreibmaschinengeschichte.

Ich war in einem Kindergarten und durfte acht Vorschulkindern Schreibmaschinen näher bringen. Dabei entstand folgende Geschichte. Die Kinder lieferten die Ideen, ich habe sie lediglich zusammengeschrieben.

Es war einmal ein Löwe. Und es war einmal eine Prinzessin. Der Löwe hieß Alexandro Lolo und er war richtig böse. Er hatte scharfe Zähne und ein Stummelschwänzchen. Die Prinzessin hieß Marina Schmidt, sie hatte pinke Haare, ein lila Kleid und ein glitzerndes Schwert.

Ein Tages war Marina Schmidt gerade auf dem Weg durch ihr Prinzessinnenreich, als sie plötzlich ein Geräusch hörte. „Was war das?“, fragte sich die Prinzessin. Es war ein Grummeln und Beben. Marina Schmidt hatte Angst, sie wusste nicht, wer das Geräusch machte. Sie ging vorsichtig auf das Gebüsch zu, aus dem das Geräusch kam. Sie sah durch die Blätter und sah die scharfen Krallen eines Löwen. Der Löwe war wach und sah Marina Schmidt mit großen Augen an. Seine Krallen drückten sich in die Erde.

Mit einem schnellen Sprung war er auf den Beinen und griff Marina an! Marina zögerte keine Sekunde, sie zog ihr glitzerndes Schwert und hielt es dem Löwen entgegen. Der Löwe bremste gerade noch rechtzeitig ab.

„Hej!“, sagte der Löwe, „das ist unfair!“

Marina grinste und ihre pinken Haare leuchteten in der Sonne. 

„Lass mich in Ruhe“, sagte der Löwe. „Merkst du denn nicht, dass ich Schmerzen habe?“ – „Woher soll ich denn wissen, dass du Schmerzen hast?“

Alexandro Lolo jaulte auf. „Wenn ich Schmerzen habe, hat die ganze Welt Schmerzen.“ – „Also mir geht’s gut. Was ist denn los?“ – „Ich habe Bauchschmerzen. Ich habe heute Thunfischpizza gegessen. Mit Fleisch und Käse. Oliven gab’s auch noch. Und Salat und Nudeln mit Tomatensoße. Und dann gab’s auch noch Nachtisch. Pudding und Joghurt und Erdbeeren und Schokolade.“

Marina Schmidt lachte. Ganz arg.

„Da wundert’s mich nicht, dass du Schmerzen hast. Aber ich habe eine Idee. Im Schloss gibt’s ein Heizkissen und Sirup und Medikamente. Komm mit, dann hast du bald keine Schmerzen mehr.“

Hörbuch: Mein Herz zwischen zwei Welten von Jojo Moyes, gelesen von Luise Helm

Jojo Moyes hatte mit Ein ganzes halbes Jahr ihren internationalen, aber auch ihren deutschen Durchbruch, seitdem werden nicht nur all ihre anderen Romane mit ähnlichem Cover neu aufgelegt, sondern das Buch wurde verfilmt und Moyes schrieb Teil 2, Ein ganz neues Leben, und dieses Jahr erschien Mein Herz in zwei Welten.

Band 1 war ‚Ziemlich beste Freunde‘ plus Liebe und sauber konsequentem Ende und ist eine gute Geschichte, emotional erzählt und von Luise Helm wunderbar gelesen. Band 2 hinterließ einen ziemlich bitteren Geschmack, weil Moyes, damit Band 2 funktionieren konnte, das bittersüße Ende des ersten Buches im Auftakt des zweiten quasi aufheben musste.

Ich habe noch nie ein offensichtlicheres Beispiel erlebt, in dem ein zweiter Teil den ersten im Nachhinein schlechter macht. Dementsprechend war ich ziemlich skeptisch über den dritten. Aber konsequenterweise wollte ich ihn hören. Ein Glück.

Mein Herz in zwei Welten lässt Louisa einen Neuanfang in Amerika machen, mit allem Stolpern und aller Faszination, aber auch mit den Fäden in die Vergangenheit, die sich nicht so leicht kappen lassen. Und natürlich ist da die Liebe. 

Es funktioniert. Als Geschichte, als nächster Teil in Louisas Leben. Aber auch als eigenständige Story. Sehr visuell erzählt, gibt es einige Szenen, die schon jetzt nach Film schreien. Der Soundtrack schwang die ganze Zeit in meinem Kopf mit.

Luise Helm tut den Rest. Ich mag die Stimme, die Art, wie sie eine Geschichte erzählt und sie mir als Zuhörer näher bringt, ohne es zu übertreiben.

Wem ‚Ein ganzes halbes Jahr‘, kommt auch hier auf seine Kosten. Den zweiten Teil könnt ihr überspringen. Dieser hier lohnt dafür wieder.

Mein Herz in zwei Welten von Jojo Moyes wurde übersetzt von Karolina Fell und erschien bei Wunderlich, das Hörbuch wurde gelesen von Luise Helm und erschien bei Argon. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Carter von Ally Klein

„Seit wann bist du zurück?“

Der erste Satz aus Carter

Da ist ein namenloses, geschlechtsloses, fast körperloses Ich. Und da ist Carter, das Gegenteil. Körperlich, offen für alles, süchtig nach der Berührung, nach dem Spaß. Die Beiden treffen aufeinander und der Ich-Erzähler kommt ins Straucheln.

Ally Klein geht es nicht um die Geschichte, ihr geht es um die Atmosphäre, um das Erkunden des Gefühls und blinden Tasten nach dem eigenen Sein. Die Geschichte selbst ist für sie dabei nur Mittel, schmuckloses Beiwerk. Ich strebe aber nach Geschichten. Ich will wissen, was passiert, wie es passiert, warum es passiert. Dieses Ich macht es mir schwer, aber nachdem ich über die ersten paar Seiten bin, nachdem ich mich auf ihn (oder sie) eingestellt habe, bin ich drin.

Ich mag die Sprache, das Suchen der Worte, die Art, Dinge zu beschreiben. In meinem ersten Roman gibt es einen bisschen sonderbaren Charakter, der kaum mit Leuten spricht, aber extrem viel liest und ganz anders mit der Sprache umgeht:

Ich konnte zwar Deutsch sprechen, doch Alex spielte mit den Worten. Er wählte jedes seiner Worte bewusst aus, er war wie ein Mönch der Worte. Machte lange Pausen, nur um unter zehn möglichen das einzig wirklich passende herauszupicken. Nahm sie zurück, wenn sie nicht passten, und spuckte ein weiteres aus. Er ließ sie durch seine Finger gleiten, wie Stoff, den man auf seine Qualität hin überprüft. Er ließ keine unbewusste Zweideutigkeit in seinen Redewendungen aufkeimen.

aus ‚Das Leben ist ein Erdbeben und ich stehe neben dem Türrahmen‘

Daran musste ich denken, als ich Carter las. Und obwohl ich mehr auf Story, als auf Atmosphäre stehe, konnte ich hier beides genießen. Ich kam mir manchmal vor wie auf einem Trip und war die ganze Zeit auf der Suche nach Hinweisen, Konkretem. Wollte wissen, was wirklich passiert und was nur in seinem Kopf (für mich ist es eindeutig ein Er). Und dass ich am Ende wieder am Anfang bin, hat mich erst geärgert und dann sehr gefreut.

Transparenz: Ally und ich sind befreundet. Ich kannte frühere Ausschnitte aus Carter, sie kennt Rohversionen meiner Texte. Gerade deshalb bin ich überrascht. Weil ich ‚weiß‘, dass wir ganz unterschiedlich arbeiten, ganz unterschiedlich lesen. Ich dachte, ich lese ihren Roman mit der zugewandten Haltung eines Freundes. Ich war aber unvoreingenommener, gefangener Leser. Dafür: Danke!

Carter ist ein dichtes Buch, ein fast absatzloser Trip voller Eindrücke, der viel Platz für die eigene Interpretation lässt. Viel Platz zum Nachdenken.

Carter von Ally Klein erschien bei Droschl. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

zwischen/miete: Lesung mit Philipp Weiss mit „Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen in Stuttgart

Die zwischen/miete des Stuttgarter Literaturhauses veranstaltet Lesungen in WGs und Wohnungen, ähnlich wie die Salonlesungen des Stuttgarter Schriftstellerhauses. Ist schon eine schöne Sache, so eine Lesung in einer WG zu erleben. Ist nochmal eine ganz andere, eine Lesung in der eigenen Wohnung zu machen.

Vor knapp zwei Monaten haben wir die Türen für einen Abend über Annette Kolb geöffnet, nun saß Philipp Weiss bei uns auf dem Sofa. Der Wiener Lyriker hat bei Suhrkamp seinen „Roman“ Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen veröffentlicht, ein Schuber mit fünf Büchern und mehr als 1000 Seiten, ein Mammutwerk. Und ich war ziemlich skeptisch. Weil ich mich mit Lyrik schwer tue. Weil spannende Konzepte oft an der Umsetzung scheitern. Weil ich zwar immer wieder gern Dinge aus dem Suhrkamp-Verlag lese, manches aber überhaupt nicht in mein Leseempfinden passt. 

Aber dann steht Philipp bei uns in der Wohnung, ein zurückhaltender Mann, der schon beim Eintreten eine sanfte Augenhöhe ausstrahlt. Ich führe ihn rum und wir reden über das Schreiben und Träume und die Wohnsituationen in Stuttgart und Wien, während sich die Wohnung um uns herum füllt.  Kurz vor 20 Uhr müssen wir Menschen nach Hause schicken, weil die Leute bis auf den Flur sitzen und es keinen Platz mehr gibt. 

Alle sitzen eng aneinander und mit angewinkelten Beinen auf dem Boden und dem Tisch, nur Philipp Weiss und die Moderatorin Sandra Potsch haben das Sofa für sich. Boxen stehen im Flur und in den anderen Räumen und Philipp spricht so sanft und zurückhaltend, wie er es ausstrahlt. Mit feinem Witz und leichtem Wiener Einschlag erzählt er Entstehungsgeschichte und Idee des Romans, bringt uns zum lachen und regelmäßig zum Schmunzeln. Sandra Potsch spielt ihm zu, baut Vorlagen für das nächste Bild, das Philipp aufmacht und hilft dabei, die lockere und warme Atmosphäre aufzubauen. 

Die Lesung selbst ist ein Hörspiel, ein durchkonzeptioniertes Springen zwischen den Bänden und Philipp liest nicht, er performt. Jeder Charakter eine eigene Stimme und eigene Spreche, sogar die Haltung auf dem Sofa ändert sich, wenn er von einem Buch zum nächsten wechselt. Er schafft es nicht nur, uns einen Einblick in das ganze Werk zu geben, er zeigt nebenher, wie sehr die verschiedenen Bücher, die insgesamt diesen Roman ergeben, miteinander verwachsen sind. 

Ich war sehr skeptisch und bin vollkommen überrascht. Positiv befriedigt. Vom Abend, von Philipp und von seinem Roman. Sieht so aus, als dass ich ihn doch noch lesen muss.

Exit-Game: Escape Dysturbia – Mörderischer Maskenball

Dysturbia ist ein Moloch, eine Stadt voller Gangster und korrupter Polizisten, eine Stadt direkt aus einem Film Noir. Dyscover ist eine Detektei, die letzte Bastion des Guten – und euer Team. 

Mörderischer Maskenball ist der Auftakt einer hoffentlich ganzen Reihe von Exit Games, die in Dysturbia angesiedelt sind. Bisher habe ich die EXIT-Reihe von Kosmos gespielt und die auch sehr gerne, aber fast alle Fälle sind gleich aufgebaut: Du und deine Gruppe kommen irgendwie in eine Hütte / ein Schloß / eine Station / eine Burg und jemand / etwas sperrt euch ein. Du hast 60 Minuten, um wieder rauszukommen. Je mehr man davon spielt, desto schneller versteht man die Rätsel und die Möglichkeiten. Sie sind immer noch gut, aber es ist keine Geschichte, die erzählt wird.

Die Leute hinter Dysturbia sind Verlagsmenschen von homunculus, Geschichtenerzähler. Dysturbia baut genau darauf auf. Alle Rätsel sind um die Geschichte des Ermittlerteams gebaut und geben dem Spiel einen guten Rahmen und die Möglichkeit, mehr als einen Raum zu bespielen. Das erinnert mich immer wieder an T.I.M.E. Stories.

Das Film Noir Klischee samt passender Charaktere passt gut in das Spielerleben, wenn man sich darauf einlässt. Wir sind zu dritt und brauchen knapp 75 Minuten. Manche Rätsel sind fast beleidigend einfach, einige andere dagegen Machen uns staunen. Besonders das immer weiter fortführen der Handlung gibt dem Spiel einen neuen Dreh. Zusätzlich haben sich Leute von homunculus ein paar sehr schöne Kniffe einfallen lassen, sodass das Spiel über sich hinauswächst und auch schon vorausgreift auf den hoffentlich bald erscheinenden nächsten Teil.

Wir hatten Spaß und ein schönes Gemeinschaftsgefühl, aber ich glaube, man sollte nicht mehr als vier Leute sein, sonst könnte es für den ein oder anderen langweilig werden. Dazu gibt es in der App, aber auch im Spiel ein paar kleine Kinderkrankheiten, die sich hoffentlich bald ausmerzen. So fände ich es beispielsweise schön, wenn die App gleich auch einen Soundtrack liefert und uns als Spieler noch tiefer in die Welt holt. Aber es gibt eben ganz viel, das richtig gemacht wurde, unter anderem auch die Möglichkeit, alle Dinge, die während des Spiels zerstört werden, zu ersetzen, sodass andere Menschen noch Spaß am Spiel haben können.

Escape Dysturbia: Mörderischer Maskenball ist ein tolles Spiel, eine sehr schöne Abwechslung zu den existierenden Exit-Games, die kleinen Ungereimtheiten und Fehler sind verzeihbar, sofern sie gelöst werden.

Escape Dysturbia: Mörderischer Maskenball erschien beim homunculus verlag. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexeplar zur Verfügung gestellt.

Was übrig bleibt: „Ohne dem nachsichtigen Lächeln meiner Eltern nahe treten zu wollen, war für mich das jedenfalls der…“

“Ohne dem nachsichtigen Lächeln meiner Eltern nahe treten zu wollen, war für mich das jedenfalls der wahre Grund, warum ich ein Nachtlicht brauchte: Es sorgte dafür, dass sich die Welt weiterdrehte.”

Hinter sich lassen, was man schon ganz schön weit hinter sich hat – David Foster Wallace
Originalpost auf „was übrig bleibt“, eine Sammlung unterstrichener Sätze, gefundener Worte & liegengebliebener Gedanken aus Büchern, die wir lesen und lieben.

Bericht: John Butler am 22.10 in München

Etwa 2003 drückte mir eine Freundin ein paar CDs in die Hand. Seitdem begleitet John Butler mich, die ersten drei Platten höre ich bis heute gern. Machen mich Lächeln, drehen meine positive Seite auf. Damals habe ich John Butler auch zweimal live gesehen, einmal in einem 300 Mann Club, einmal auf einem Festival, auf dem ziemlich viele nichts mit ihm anfangen konnten. Unterschiedlicher konnten die Konzerte nicht sein.

Jetzt sind acht Jahre vergangen, ein paar Alben erschienen und als es hieß, John Butler kommt nach München, war ich mir nicht sicher, ob ich dort hinwollte. Weil ich die neuen Sachen nicht kenne und nicht das Gefühl aufkommen könnte, das ich beim Hören der alten Sachen habe. Dann schrieb eben jene alte Freundin, dass sie hingehen würde. Also gehen wir.

Zwei Tage vor dem Konzert geht die Nachricht rum, dass der Schlagzeuger der Band, Grant Gerathy, im Krankenhaus liegt.

Anstatt die Konzerte abzusagen und somit die Fans zu enttäuschen, hat John Butler beschlossen, lieber mit seinen deutschen Fans in Kontakt zu treten und diese drei Konzerte im Rahmen einer ganz besonderen Solo-Show zu spielen.
Wir wollten alle Ticketinhaber über diese Situation informieren und freuen uns darauf, sie in den kommenden Tagen zu sehen. Sollte ein Ticketinhaber eine Rückerstattung des Tickets bevorzugen, möchte dieser bitte nicht am Konzert teilnehmen, sondern sein Ticket behalten, so dass eine Rückerstattung durch die jeweilige Vorverkaufsstelle in der nächsten Woche erfolgen kann.
„Wir wünschen Grant eine schnelle Genesung, dennoch wollte ich die Konzerte auf die bestmögliche Art und Weise würdigen, indem ich komme und Songs aus Home, Ocean und Euren Lieblingssalben spielen werde. Ich hoffe, ihr werdet uns an diesen ganz besonderen Abenden begleiten“ John Butler

Natürlich gehen wir. Und ich wünsche Grant Gerathy die beste Genesung. Aber gerade durch die Umstände wird das Konzert besonders. John Butler ist normalerweise schweigsam, ganz allein auf der Bühne erzählt er aber immer wieder, macht Witze und improvisiert. Und er spielt ganz viele alte Lieder.

Ich weiß nicht, wie viele Karten zurückgegeben werden. Die Tonhalle scheint gut gefüllt und trotzdem fühlt es sich intim an. Wie eine kleine Runde von Freunden, die gemeinsam alte Song spielen. Geil.

Auch wenn der Sound nicht sauber ausgesteuert ist, die Feinheiten von John Butlers Spiel oft in einem zu lauten Klirren untergehen, die Stimmung ist gut, der Abend wunderschön und voller Erinnerungen. Gerne wieder.