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Lesung: Mareike Fallwickl am 3.12.19 in der Stadtbibliothek Stuttgart

Die Stuttgarter Stadtbibliothek hat die wunderbare Reihe Secondo, in der Autorïnnen aus ihrem zweiten Buch lesen und darüber reden.

In der Reihe Secondo geht es um das schwierige zweite Buch. Für die Vorbereitung des Debütromans ist oft ein halbes Leben Zeit. Der zweite Roman entsteht dann unter erheblich mehr Zeit- und Erfolgsdruck. Caroline Grafe […] spricht mit Autorinnen und Autoren über ihre oft unterschätzten Zweitwerke.

Mareike Fallwickl legt mit Das Licht ist hier viel heller ihr zweites literarisches Buch vor, alternder weißer Mann und Ex-Bestsellerautor, der sich mit dem Erwachsenwerden seiner Tochter arrangieren muss und die Post seines Vormieters liest, nein, konsumiert.

Mareike ist auch Autorin, Texterin und Buchbloggerin, und zusätzlich Österreicherin. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, aber sie hat ihre Schlagfertigkeit mit einem leichten österreichischen Akzent und eine sehr angenehme Art, sich selbst und das ganze Ding mit dem Bücher schreiben nicht zu ernst zu nehmen. Was es ziemlich unterhaltsam macht, ihr zuzuhören.

Ihr Vorbuch (Dunkelgrün fast schwarz) hat seine erfolgreichen Kreise gezogen und das Café LesBar im obersten Stockwerk der Stadtbibliothek ist ziemlich gut gefüllt an diesem Mittwoch.

Caroline Grafe hat bei Mareike eigentlich gar nichts zu tun, weil Mareike gut allein zu unterhalten weiß. Sie hält sich zurück, ist aber in den richtigen Momenten da, um Fragen zu stellen und Themen oder die nächste Lesung einzuleiten.

Komisch eigentlich, dass wir solche Abende immer noch Lesung nennen, weil der Teil mit der Lesung besonders bei Menschen wie Mareike der (in Ermangelung eines besseren Wortes) langweiligste ist. Im Dialog mit Caroline und in den Anekdoten über die Entstung des Buches habe ich den meisten Spaß und liebe es, Mareike dabei zuzusehen, wie sie Spaß hat.

Hier ist das Veranstaltungskonzept besonders stark: Was passiert wirklich nach dem ersten Buch, wie gehen Menschen mit Erwartungen und Kritiken und dem Schreiben per se um? Vielleicht nur, weil ich selber schreibe, aber den Teil mag ich am liebsten.

Bis knapp 90 Minuten zu schnell vorbei sind, noch ein paar Publikumsfragen beantwortet und eine ganze Schlange an Büchern signiert werden.

90 Minuten, in denen wir viel über Mareike und ihr Arbeiten lernen, ihre Art kennenlernen und das Buch zumindest bis Seite 38. Den Rest dürfen wir selbst entdecken. Wie schön!

Das Licht ist hier viel heller von Mareike Fallwickl erschien bei der Frankfurter Verlagsansstalt. Das nächste Mal bei Secondo: Isabel Bogdan mit Laufen.

Comic: Gung Ho 1 – Schwarze Schafe

Sag Mal, Salim, gibt’s bei euch auch Nägel für die Abschüsse bei Weibern?

Der erste Satz aus Gung Ho 1 – Schwarze Schafe

Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant legen Band 1 von Gung Ho vor, ein großformatiger, Hardcovercomic mit ziemlich geilen Zeichnungen und einer nicht ganz originellen, aber ganz coolen Story.

In dieser postapokalytischen Welt gibt es Gefahren, Gefahrenzonen und gesicherte Städte, die sehr strengen Regeln folgen. Und wenn Jugendliche und Regeln zusammenkommen, dann gibts Chaos.

Zack und Archer sind Brüder, die in diese kleine Sicherheitszone gebracht werden, weil sie Ärger gemacht haben. Aber sie sind Jugendliche und werden auch hier Ärger machen.

Gung Ho mischt (Zombie)Postapokalypse mit Breakfast Club, der Ton ist flapsig und kratzt, ach was, taucht immer wieder unter die Gürtellinie und die Zeichnungen sind ziemlich geil. Gerade, weil das Buch so großformatig ist.

Manche Elemente – in der Story, aber auch bei den Zeichnungen – sind mir zu plump, dafür gibt es andere, die es ziemlich gut schaffen, dieses Gefühl von Aufwachsen in einer gefährlichen Umgebung zu zeigen.

Ich mag die Geschichte, die sich aber leider in diesem Band anfühlt, wie die erste Folge einer neuen Serie. Und danach ist das Buch vorbei. Gerade, wo ich angefixt bin. Gung Ho ist auf 5 Bände angelegt, der letzte erscheint wohl 2021. Solange muss ich mich mindestens auf das Ende gedulden.

Gung Ho 1 – Schwarze Schafe von Benjamin von Eckartsberg und Thomas von Kummant erschien bei Cross Cult. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Roman: Wir kommen mit von Catherine Ryan Hyde

August Schroeder stand an der Hecktür seines liegen gebliebenen Wohnmobils und blickte durch das kleine rechteckige Fenster.

der erste Satz aus Wir kommen mit.

Catherine Ryan Hyde hat damals das Buch zum Film „Das Glücksprinzip“ geschrieben, daher „kenne“ ich sie. Ich mochte den Film damals, und die Buchversion von Wir kommen mit, die ich habe, ist die Pocket Book Ausgabe, mit der Amazon seine hauseigenen Bestseller im Reclamformat für wenig Geld verkauft. Auf dem Buch gibts keine Inhaltsangabe, kein fancy Cover, nur die Autoren, der Titel und sowas wie Hashtags. Ich mag das Format und die Konsistenz.

Ein Mann, der seinen Sohn verloren hat und mit seinem Wohnmobil und zwei fremden Jungs einen Roadtrip durch Amerika macht.

Schon auf der ersten Seite sind wir mitten in der Geschichte und innerhalb des ersten Kapitels sind wir so weit wie der Klappentext. Ich muss nicht erst die Hälfte des Romanes lesen, um an die Idee zu kommen, die mich von Anfang an dazu bringt, den Roman zu lesen.

Catherine Ryan Hyde schreibt keine Hochliteratur, ihr geht es um die Geschichte und die Gefühle. Und die kriegt sie hin.

Ein zu früh verstorbenes Kind, ein Vater, der sich nicht um seine Jungs kümmern kann und eine Reise durch die Nationalparks in Amerika.

Natürlich will August die beiden Jungs erstmal nicht mitnehmen und natürlich nähern sie sich im Laufe der Geschichte an. In dieser Hinsicht macht sie nichts neues, aber sie macht ihre Sache solide. Ich gehe gern mit und bin dabei, wenn die drei Männer ihre Reise machen.

Und dann geht Catherine Ryan Hyde einen Schritt weiter. Als ich denke, die Geschichte ist durch, jetzt kommt noch ein bisschen Geplänkel, geht sie mit uns die Reise noch ein ganzes Stück weiter, bis wir an ihrem Ende der Geschichte sind, an dem nicht alles gut, aber so okay ist, wie das Leben sein kann.

Das ist das erste Buch, das ich von Catherine Ryan Hyde lese und sie hat einen ziemlichen Output an unterhaltsamer und emotionaler Literatur, aber wenn ihre anderen Bücher ähnlich sind, wird das nicht das letzte sein.

Wir kommen mit von Catherine Ryan Hyde wurde übersetzt von Ute-Christine Geiler und Birte Lilienthal und erschien bei Tinte & Feder ( ein Amazon Imprint). Amazon hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Weil sie wieder aufwacht, wenn ich gehe.

Ich finde es ein gelungenes Buch. Es hat Spass gemacht zu lesen und ich hab mich immer darauf gefreut, wenn ich die Zeit dazu fand (meistens, wenn meine kleine Tochter gerade eingeschlafen ist, ich aber noch im Zimmer blieb, weil sie jeweils wieder aufwacht, wenn ich gehe).

David S. über Das Leben ist ein Erdbeben und ich stehe neben dem Türrahmen.

Graphic Novel: My Father Never Cut His Hair von Peter Phobia

This is the story of my father Rudy.

Der erste Satz aus My Father never cut his hair

Titel und Cover haben direkt etwas bei mir ausgelöst. Ich wollte mehr über diese Geschichte und diese Welt erfahren.

Offiziell ist das Buch eine Graphic Novel, aber die passendere Bezeichnung ist Bilderbuch für Erwachsene. Als ob Peter Phobia mit mir am Tisch sitzen würde und von seinem Vater erzählt. Oder zumindest von dem, was er über seinen Vater weiß. Den Inhalt eines Schuhkartons, den er uns mit diesem Buch präsentiert.

Peter hat ein Faible für violett und rosa, das sich auch in diesem Buch zeigt. Die Bilder, als auch die Sprache sind – vielleicht, weil wir von vornherein um die Tragik der Geschichte wissen – melancholisch nüchtern und weil es eine wahre Geschichte ist, berührt sie mich. Gerade seine Bilder und seine Sprache machen diese Geschichte, die leider wohl viel zu oft geschieht, individuell und schön.

Das Buch selbst ist wunderschön gemacht, die Schrift auf dem Cover erhaben, das Papier ein wenig fester, wertig. Es macht Spaß, darin zu blättern und die Geschichte zu erfahren. Nur bei Bildern und Texten über eine Doppelseite kommt das Buch an seine Grenzen, hier sind Druck und Bindung leider nicht so sauber, wie der Rest.

Ein kleines Manko einer sonst sehr schönen Erfahrung: Für eine kurze Weile in die Welt von Peter Phobia eintauchen und sich von ihm berühren lassen.

My father never cut his hair von Peter Phobia erschien bei Luftschacht. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.