Bericht: Leipzig liest extra 2021

Alles anders dieses Jahr. Statt vom Schlafplatz zur Messe zu pendeln und Abends manchmal in der Stadt zu sein, gibt es dieses Jahr keine Messe. Und ich bin nicht „nur“ als Journalist vor Ort, sondern als Autor, der lesen darf. Zweimal!

Die Moritzbastei ist an diesem Donnerstag der langen Leipziger Lesenacht sehr viel leerer als sonst und trotzdem irgendwie geschäftig. Alle sind getestet, alles ist abgepackt und alle bleiben auf Abstand, es werden gleichzeitig aus drei Ecken Lesungen gestreamt und ich darf mit Lisa Krusche und Matthias Jügler die erste Runde bestreiten.

Sowohl Fabian Reimann als auch unser Techniker (sorry, ich habe seinen Namen nie erfahren) sind toll und obwohl wir nur in diese zwei dunklen Linsen performen, kommt ein ganz okayes Gefühl auf. Besonders weil der Techniker, stellvertretend für alle, an den richtigen Stellen nickt und lächelt. Danach sitze ich im größten Raum der Moritzbastei, Lisa mir gegenüber und wir flüstern, weil man uns sonst auf den Lesungen hört. Aber wir können reden und begrüßen leise Raphaela Edelbauer, Nastasja Penzar und Shida Bazyar, die auch an dem Abend lesen. Fühlt sich an wie eine zögerliche Buchmesse, wie ein Treffen von alten Bekannten, die man viel zu lange nicht gesehen hat. Immer noch ohne Umarmung, immer nur ein paar Worte, aber eben ein bisschen so wie das, was die Buchmesse in Leipzig ausmacht.

Es geht erst Sonntag weiter für mich, also lungere ich mit Freund:innen in der Stadt rum und mache Dinge, für die ich in Leipzig sonst nie Zeit habe: Spaziere durch Parks, fahre auf der Critical Mass mit, bin bei einer Demo gegen Polizeigewalt in Kolumbien, klettere auf den Wackelturm. Und rede mit ein paar Menschen, die ich viel zu lange nicht gesehen habe.

Sonntag dann die Lesung bei den Unabhängigen. Wieder auf Platz 1, diesmal mit Linn Penelope Micklitz an meiner Seite und zumindest einer Handvoll echtem Publikum vor uns.

Auch wenn es wirklich wenige Menschen waren, es macht einen großen Unterschied. Leider kann ich diesmal nicht länger bleiben, weil ich noch eine ganze Weile brauche, um zurück nach Stuttgart zu kommen. Aber als ich am Bahnhof sitze, ploppt dieses kleine Hörstück auf, das Lydia Herms für Deutschlandfunk Nova über mein Buch produziert hat. Wow.

Leipzig war dieses Jahr ganz anders. Aber hat mir dadurch Möglichkeiten gegeben, die ich sonst nie so deutlich hätte ergreifen können. Ich freue mich darauf, wenn wir uns alle nächstes Jahr wieder umarmen können und dieses Gefühl von Familie wieder lauter und intensiver da sein darf. Aber wenn ein bisschen aus diesem Jahr mit rüberschwappt, freut mich das genauso.

Immer noch wach: Bonusmaterial

Spoilerwarnung: Alternative und gelöschte Szenen werden viel über den Inhalt des Buches verraten. Am besten also erst weiterlesen, wenn ihr das Buch gelesen habt. 
Ich werde hier immer wieder neues Material hinzufügen. 
Schaut also immer wieder vorbei.

Gelöschte Szene: Paris

Lisa wollte die Mona Lisa sehen, in echt.

„Mein Vater hat mich nach dem Gemälde benannt. Er hieß Leonhard und er hat immer gesagt, ich sei sein Meisterwerk. Wir waren sogar in Paris, standen vor dem Louvre. Ich konnte damals noch gerade so mit dem Stock laufen und wollte keinen Rollstuhl und wir hatten die Reise sehr spontan gemacht. Das war die letzte Chance. Aber schon am Morgen war die Schlange vor der Pyramide so lang! Nach zwei Stunden konnte ich nicht mehr.“

*

Mitte Januar, es ist kalt und klar, schneefrei und für Paris sind das wohl wenig Touristen. Ich schiebe den Vorhang in meinem Hotelzimmer zur Seite. Unter mir verläuft eine zweispurige Straße, die Reihe von Bäumen rechts und links sind kahl und auf den Dächern der Autos spiegelt sich die Sonne. Mir ist klar, dass es nicht darum geht, die Mona Lisa zu sehen. Ich muss sie tatsächlich betrachten, ich muss Paris erleben. Ich muss hier ankommen.

Ich verbringe jeden Morgen in einem Café. Wenn die Kälte es zulässt, sitze ich draußen, manchmal in Decken gehüllt, manchmal unter Heizpilzen oder in den warmen Pavillons, die vor den Läden stehen. Ich studiere die Karten und das Interieur und teste Getränke, die ich nicht kenne, bis mir immer wieder aufs neue einfällt, dass ich keine der neuen Ideen mit in den Türrahmen nehmen kann.

Ich spaziere über Kopfsteinpflaster, Asphalt und Gras, unter dem Eiffelturm hindurch, am Triumphbogen und Notre-Dame vorbei und wenn ich irgendwo Menschenschlangen sehe, nehme ich einen anderen Weg.

Einen Tag verbringe ich auf dem Père Lachaise. Die von Bäumen gesäumten Gassen führen an den Stätten vorbei, verwittert und oft mehr als nur ein Grab, der Friedhof ist weitläufig und friedlich, wie ein Viertel nur für Tote. Selbst hier tummeln sich Touristen, bei Wilde, bei Piaf, bei Morrison.

Ich komme immer wieder am Louvre vorbei, beobachte die Menschen, wie sie langsam an den Absperrungen entlang um die Pyramide trotten. Ich weiß, ich werde die Mona Lisa niemals für mich alleine haben.

An meinem letzten Tag gehe ich an den Grundmauern der alten Burg und der umgedrehten Pyramide vorbei, durch das Carrousel du Louvre zum Nebeneingang und bin, obwohl das Museum noch nicht geöffnet hat, trotzdem nicht der erste.

Ich eile in den ersten Stock, dem Lächeln hinterher, das den Weg weist, vorbei an allen anderen Gemälden bis in den Saal, an dessen Ende eine Extrawand steht. Mittig, ganz alleine und hinter Glas hängt dort die Mona Lisa.

Eine extra Absperrung, ich komme nur auf etwa zwei Meter an das Gemälde ran. Ich stehe wenigstens in der ersten Reihe.

Ich betrachte den goldverzierten Rahmen, das darin liegende Bild und meine Spiegelung im Sicherheitsglas. Der Hintergrund könnte auch eine Zeichnung von Mordor sein, wie es vor Frodo und Sam liegt, eine düstere zerklüftete Landschaft im Nebel. Mir ist nie aufgefallen, dass sie auf einem Balkon sitzt, erst jetzt erkenne ich die Balustrade und die Säulen. Ich sehe mir die Frau genau an. Der fast transparente Stoff über ihren Haaren, die scheinbar fehlenden Augenbrauen und ihr Arm auf der Lehne. Sie sieht mich an und lächelt. Und es löst überhaupt nichts in mir aus.

Es ist überraschend klein, das Gemälde. Nett, keine Frage, aber mehr irgendwie auch nicht. Die Leute neben mir schießen Fotos, manche haben die Kopfhörer des Audio-Guides auf und machen ziemlich schnell Platz für andere. Ich bleibe noch ein wenig länger, dann trete ich einen Schritt zurück und sofort rückt jemand nach.

Den Rest des Tages sehe ich mir französische Gemälde, griechische Büsten, römische Statuen und ägyptische Inschriften an und je später es ist, desto größer wird der Pulk um die Mona Lisa. Kurz bevor das Museum schließt, stehe ich wieder bei ihr, diesmal seitlich und weiter hinten. Sie sieht immer noch mich an und lächelt. Ich nicke ihr zu, dann ziehe ich das Notizbuch aus der Tasche und streiche Lisas Zeile durch.

Ich fühle mich nicht groß und erhaben, keine Dankbarkeit, kein erkämpfter Sieg. Aber ich bin hier. Auf dich, Lisa. Und deinen Vater.

Hörbuch: Blutige Nachrichten von Stephen King

Machen wir’s kurz: Seit knapp 20 Jahren lese (und höre) ich Stephen King und immer wieder bin ich neu begeistert. Dabei sind es manchmal knapp 1500 Seiten, manchmal nur 64. Blutige Nachrichten beinhaltet vier Novellen, und wie seit Jahren liest David Nathan auch diese. Allein seine Stimme bringt mich zurück in die Welten von Stephen King, der immer noch so extrem produktiv ist. Alle vier Geschichten sind mindestens gut und unterhaltsam, aber die kürzeste, Chucks Leben, ist sofort zu einer meiner liebsten Geschichten von King geworden.

Allein für diese lohnt sich diese Sammlung sehr. Und wie immer bei Stephen King: Je mehr du von ihm kennst, desto größer sind die Welten, die er baut. Hoffentlich tut er das noch eine ganze Weile.

Blutige Nachrichten von Stephen King wurde übersetzt von Bernhard Kleinschmidt und gelesen von David Nathan und erschien bei Heyne. Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

99 weitere unaufgeforderte Ratschläge von Kevin Kelly, auf Deutsch

Vor einem Jahr hat Kevin Kelly eine Liste von 68 Ratschlägen veröffentlicht, einen für jedes Lebensjahr. Jetzt hat er 99 weitere. Wie auch im letzten Jahr habe ich sie auf Deutsch übersetzt. Auf die Schnelle, Verbesserungsvorschläge sind willkommen.

Ich habe wieder Geburtstag und wieder einen Haufen unaufgeforderter Ratschläge.

Kevin Kelley
  • Die Eigenheit, wegen der du als Kind merkwürdig warst, könnte dich als Erwachsenen großartig machen – wenn du sie nicht verlierst.
  • Wenn du den kleinsten Zweifel daran hast, alles auf einmal schleppen zu können, tu dir den Gefallen und gehe gleich zweimal.
  • Was du durch Erreichen deiner Ziele erhältst, ist nicht so wichtig, wie das, was du durch Erreichen deiner Ziele wirst. Bei deiner Beerdigung werden die Menschen sich nicht daran erinnern, was du getan hast, sondern wie sie sich durch dich gefühlt haben.
  • Erfolgsrezept: Versprich weniger und liefere mehr.
  • Es ist keine Entschuldigung, wenn sie mit einer Ausrede kommt. Es ist keim Kompliment, wenn es mit einer Bitte kommt.
  • Jesus, Superman und Mutter Teresa haben niemals Kunst gemacht. Nur unvollkommene Wesen können Kunst erschaffen, weil Kunst damit beginnt, dass etwas kaputt ist.
  • Wenn jemand dich davon überzeugen will, dass es nicht das Schneeballsystem ist, dann ist es das Schneeballsystem.
  • Lerne den Palstek-Knoten. Im Dunkeln. Mit einer Hand. Du wirst ihn im Leben öfter nutzen, als du glaubst.
  • Wenn etwas an der Stelle scheitert, wo du dachtest, dass es scheitern wird, dass ist es kein Scheitern.
  • Lasse dich nicht durch die Tyrannei des Dringenden leiten, sondern durch durch Erhebung des Wichtigen.
  • Lasse ein Tor hinter dir so, wie du es vorgefunden hast.
  • Die größten Belohnungen gibt es von der Arbeit an Dingen, für die es keinen Namen gibt. Wenn du kannst, arbeite dort, wo es für dein Tun keine Worte gibt.
  • Ein Balkon oder eine Veranda muss mindestens zwei Meter tief sein, sonst wird sie nicht verwendet.
  • Erschaffe keine Dinge, um Geld zu verdienen – verdiene Geld, um Dinge zu erschaffen. Die Belohnung für gute Arbeit ist mehr Arbeit.
  • Beginne immer – außer in der Liebe – mit einer Exit-Strategie. Bereite dich auf das Ende vor. Fast alles ist einfacher zu beginnen, als zu beenden.
  • Bilde deine Mitarbeiter:innen so gut aus, dass sie einen anderen Job bekommen würden, aber behandle sie so gut, dass sie keinen anderen wollen.
  • Arbeite nicht daran, dass andere dich mögen. Arbeite daran, dass sie dich respektieren.
  • Die Basis von Reife: Nur weil es nicht deine Schuld ist, heißt das nicht, dass es nicht deine Verantwortung ist.
  • Du brauchst einen ganzen Haufen schlechter Ideen für eine gute.
  • Weisheit bedeutet, mehr Fragen als Antworten zu haben.
  • Mache Menschen hinter ihrem Rücken Komplimente. Es wird zu dir zurückkommen.
  • Jeder Erfolg über Nacht – tatsächlich sogar jeder große Erfolg – braucht mindestens fünf Jahre. Denke bei deinen Finanzen daran.
  • Du bist nur so jung wie das letzte Mal, als du deine Meinung geändert hast.
  • Gehe erstmal davon aus, dass jeder Mensch, der nach deinen Nutzerdaten fragt, dich abziehen will. Wenn jemand unschuldig ist, kannst du ihn oder sie zurückrufen oder über einen Kanal kontaktieren, den du wählst. Gib ansonsten keine wichtige Informationen heraus.
  • Andauernde Empörung macht dich dumm.
  • Seit streng mit dir selbst und nachsichtig mit anderen. Das Gegenteil ist die Hölle für alle.
  • Deine beste Reaktion bei einer Beleidigung ist „Du hast wahrscheinlich Recht.“ Meistens ist es so.
  • Die schlimmsten Dinge der Geschichte wurden immer von jenen begangen, die geglaubt haben, das Böse zu bekämpfen. Vorsicht vor dem Bekämpfen des Bösen.
  • Wenn du nicht mehr auf die Zustimmung Anderer angewiesen bist, ist deine Macht unendlich.
  • Wenn ein Kind eine endlose Reihe an Warum-Fragen stellt, ist die klügste Antwort: „Ich weiß es nicht, was denkst du?“
  • Sammle für wahren Reichtum all die Dinge, die du nicht für Geld kaufen kannst.
  • Sei die Veränderung, die du sehen willst.
  • Beim brainstormen, improvisieren oder jammen mit anderen kommst du weiter und tiefer, wenn du auf die Beiträge mit einem verspielten „ja, und …“ antwortest, statt mit einem nüchternen „nein, aber …“.
  • Arbeite, um du werden, nicht, um zu erhalten.
  • Leihe Freunden erst dann Geld, wenn du auch bereit dafür wärest, es ihnen zu schenken.
  • Feiere auf dem Weg zum großen Erfolg die kleinsten Siege wie das große Finale. Wo auch immer es enden wird, du wirst erfolgreich gewesen sein.
  • Ruhe ist ansteckend.
  • Selbst eine dumme Person kann oft Recht haben. Die meisten allgemeinen Weisheiten sind wahr.
  • Schäle dich immer aus dir heraus.
  • Zeige mir deinen Kalender und ich sage dir, was dir wichtig ist. Erzähl mir von deinen Freunden und ich sage dir, wohin es dich zieht.
  • Wenn du per Anhalter unterwegs bist, sieh aus wie jemand, den oder die du mitnehmen wollen würdest.
  • Die Schwächen anderer wahrzunehmen ist einfach; die eigenen Schwächen wahrzunehmen ist schwer, aber lohnt sich mehr.
  • Kann ruhig wiederholt werden: Zweimal messen, nur einmal schneiden.
  • Deine Leidenschaft sollte auf dich zugeschnitten sein, aber der Sinn deines Lebens sollte größer sein. Strebe nach etwas größerem als du selbst.
  • Wenn du nicht genau sagen kannst, was du unbedingt brauchst, ist es wahrscheinlich Schlaf.
  • Wenn du Monopoly spielst, kaufe, tausche und verhandle so, dass dir die orangenen Straßen gehören. Halte dich nicht mit dem Wasser- und dem Elektrizitätswerk auf.
  • Wenn du dir etwas ausleihst, versuche, es in einem besseren Zustand zurückzugeben. Säubere es, schärfe es, füll es auf.
  • Selbst in den Tropen wird es Nachts kälter, als du denkst. Packe warme Klamotten ein.
  • Um eine Meute oder jemand Betrunkenen ruhig zu stellen, flüstere einfach.
  • Jeden Tag eine Sache aufschreiben, für das du dankbar bist. Es gibt keine günstigere Therapie.
  • Wenn jemand dir sagt, dass etwas falsch ist, liegen sie meist richtig. Wenn jemand dir sagt, wie du es besser machen kannst, liegen sie meist falsch.
  • Wenn du denkst, dass du eine Maus gesehen hast, hast du eine gesehen. Und wenn da eine ist, sind da mehrere.
  • Geld wird überschätzt. Wahrlich neue Dinge benötigen selten eine Unmenge an Geld. Wenn das so wäre, hätten Milliardäre ein Monopol auf die Erfindung neuer Dinge. Das haben sie nicht. Stattdessen kommen fast alle großen Durchbrüche von Menschen ohne Geld, weil sie gezwungen sind, sich beim Finden neuer Wege auf ihre Leidenschaft, ihr Durchhaltevermögen und ihre Genialität zu verlassen. Armut ist ein Vorteil bei Erfindungen.
  • Ignoriere, was andere von dir denken könnten. Sie tun es nicht.
  • Drücke nicht auf Schlummern. Damit trainierst du dir das verschlafen an.
  • Sage immer weniger als nötig.
  • Du hast das Geschenk des Lebens erhalten, damit du herausfinden kannst, was das Geschenk im Leben ist. Du wirst deine Mission beendet haben, wenn du herausgefunden hast, was deine Mission ist. Das ist kein Paradox. Das ist der Weg.
  • Behandle Menschen nicht so schlecht, wie sie sind. Behandle sie so gut, wie du bist.
  • Es ist einfacher, dein Denken durch dein Verhalten zu ändern, anstatt dein Verhalten durch dein Denken zu ändern. Lebe die Veränderung, nach der du strebst.
  • Du kannst jeden Nachtisch essen, den du willst, wenn du immer nur drei Bisse nimmst.
  • Tue jedes Mal, wenn mit jemandem Kontakt aufnimmst, ihm oder ihr etwas Gutes. Dann werden sie sich freuen, wenn du mit einem Problem zu ihnen kommst.
  • Schlimme Dinge können schnell passieren. Aber fast alle guten Dinge brauchen Zeit.
  • Mach dir keine Sorgen darüber, wie oder wo du anfangen sollst. Solange du weitermachst, wird dein Erfolg vom Anfang weit entfernt sein.
  • Wenn du einem festen Deckel oder einer festen Schraube begegnest: rechts fest, links lose.
  • Wenn du einen Dummkopf triffst, ignoriere ihn. Wenn du jeden Tag überall auf Dummköpfe triffst, dann wirf einen langen Blick in den Spiegel.
  • Tanze mit deinen Hüften.
  • Wir sind keine Körper mit temporären Seelen. Wir sind Seelen mit temporären Körpern.
  • Du ärgerst dich weniger über die dummen Ansichten von jemandem, wenn du verstehst, wieso er oder sie diese Ansichten hat.
  • Wenn dein Ziel keinen Zeitplan hat, ist es ein Traum.
  • Alle großen Erfolge im Leben – sei es Geld, Beziehungen oder Wissen – kommt durch die Magie der Kumulierung: kleine, regelmäßige Gewinne. Alles, was du für Reichtum brauchst, ist regelmäßig 1% mehr hinzuzufügen, als du wegnimmst.
  • Die größten Durchbrüche passieren nicht, weil sie nach harter Arbeit aussehen.
  • Menschen können sich von einem Vortrag nur drei Dinge merken.
  • Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der mich begeistert und nicht mehr liest, als ich.
  • Der beste Lehrer ist „tun“.
  • Endliche Spiele kann man gewinnen oder verlieren. Unendliche Spiele spielt man des Spiels wegen. Strebe nach unendlichen Spielen, sie beinhalten unendliche Erfolge.
  • Alles ist schwer, bevor es einfach ist. Bevor etwas ein Durchbruch wird, ist es eine dumme Idee.
  • Ein Problem, das mit Geld gelöst werden kann, ist kein echtes Problem.
  • Wenn du nicht weiter weißt, schlaf drüber. Lass dein Unterbewusstsein für dich arbeiten.
  • Deine Arbeit wird endlich sein, aber deine Zeit ist es nicht. Du kannst die Arbeit nicht einschränken, also musst du die Zeit einschränken. Stunden sind die einzigen Dinge, die du kontrollieren kannst.
  • Wenn du erfolgreich sein willst, finde Menschen, die dich bezahlen. Wenn du reich werden willst, hilf anderen Menschen bei ihrem Erfolg.
  • Kinder akzeptieren – und wollen dringend – Familienregeln. „In unserer Familie haben wir eine Regel für X“ ist die einzige Entschuldigung, die Eltern für Familiengrundsätze brauchen. Tatsächlich ist „Ich habe eine Regel für X“ die einzige Entschuldigung, die du für deine eigenen Grundsätze brauchst.
  • Alle Waffen sind geladen.
  • Viele Rückschritte geschehen durch Stillstand.
  • Die besten Zeit für neue Sachen ist jetzt. Keines der größten und coolsten Dinge der nächsten 20 Jahre ist schon erfunden. Du bist nicht spät dran.
  • Ohne Regen kein Regenbogen.
  • Jeder Mensch, den du triffst, weiß eine wundersame Menge über etwas, über das du quasi gar nichts weißt. Du musst herausfinden, was das ist und es wird meist nicht offensichtlich sein.
  • Du heiratest keinen Menschen, du heiratest eine Familie.
  • Zolle immer Anerkennung und nimm Schuld auf dich.
  • Sei in allen Dingen sparsam, außer in deinen Leidenschaften.
  • Wenn du etwas machst, besorge immer ein bisschen mehr – mehr Material, mehr Teile, mehr Platz, mehr Farbe. Diese Extras dienen dir als Reserve bei Fehlern, sie senken dein Stresslevel und sie werden dir in Zukunft noch nützlich sein. Sie sind die günstigste Versicherung.
  • Dinge müssen nicht perfekt sein, um wunderbar zu sein. Besonders Hochzeiten.
  • Lass deinen E-Mail-Eingang nicht zu deiner To-Do-Liste werden.
  • Die beste Art, ein verknotetes Gewirr zu lösen, ist nicht, die Knoten zu lösen, sondern die Schlaufen immer weiter auseinanderzuziehen. Mache das Wirrwarr so groß und lose und offen wie möglich. Dadurch werden sich die Knoten von selbst lösen. Das funktioniert mit Seilen, Schnüren, Schläuchen und Kabeln.
  • Sei ein:e gute:r Vorfahr:in. Mache etwas, wofür dir zukünftige Generationen dankbar sein werden. Eine einfache Sache ist, einen Baum zu pflanzen.
  • Um eine:n Gegner:in zu bekämpfen, musst du ein Freund werden.
  • Nimm eine einfache Sache – fast egal, welche -, aber nimm sie wirklich ernst. So ernst, als wäre es die einzige Sache der Welt, oder vielleicht liegt die ganze Welt darin, und dadurch wirst du den Himmel zum leuchten bringen.
  • Die Geschichte lehrt uns, dass sich ein paar unserer Annahmen in 100 Jahren als falsch erweisen. Eine gute Frage, die du dir heute stellen kannst, ist „Wo könnte ich falsch liegen?“
  • Sei nett zu deinen Kindern, sie suchen dein Altersheim aus.
  • Ratschläge wie diese sind keine Gesetze. Sie sind wie Hüte. Wenn einer dir nicht passt, probiere einen anderen.

Kinderbuch: Auch in Wolonien von Selim Özdogan

Komm, wir spielen Wolonien, sagt Nefeli.

Der erste Satz aus Auch in Wolonien

Bisher kannte ich Selim Özdogan als Autor „erwachsener“ Bücher. Seit DZ verfolge und lese ich Selims Werke, die ganz oft etwas mit vermeintlichen Grenzen, Zwischenwelten und der Frage nach Identität zu tun haben, in immer neuen Kontexten. Ich mag seine Gedankengänge und sein Spiel mit Worten und schätze seine Art, die Welt zu sehen.

Auch in Wolonien ist ein Kinderbuch, besser noch: ein Buch, das Kindern und Kindgebliebenen gut vorgelesen werden kann. Die Geschichte einer Familie mit zwei Kindern, die das Jahr 2020 und die Corona-Pandemie erleben.

Selim erzählt die kurzen Kapitel meist aus Sicht der Kinder, Nefeli und Raviv, inklusive einer kindlichen Sicht auf die Welt, einer kindlichen Logik und einer kindlichen Spielfreude. Ganz viel des Perspektivwechsels, den ich auch in Selims anderen Roman erlebe, kommt dadurch in dieses Buch. Gleichzeitig aber ist es natürlich ganz nah an meiner Realität und meiner Zeit in der Pandemie. Selim hält sich nicht mit Ursachen oder Theorien auf, sondern beschreibt ganz nah und greifbar die Wirkung für Kinder und Familien. Wie auch in seinen anderen Büchern geht es hier um Grenzen, um Zwischenwelten, um die Frage, wie wir als Menschen eigentlich definiert werden. Nur eben mit einer anderen Zielgruppe. Wobei ich ahne, dass es natürlich auch um die Kinder geht, aber vielleicht sogar ein bisschen mehr um die Menschen, die Kindern dieses Buch vorlesen.

Ich verstehe vollkommen, dass dieses Buch gerade jetzt seine größte Wirkung entfalten kann und dass Selim es deshalb auf dem schnellsten Weg veröffentlichen wollte. Deshalb ist das nach knapp 25 Jahren sein erstes Buch, das er als Selfpublisher veröffentlicht. Leider macht sich das in der Form bemerkbar. Die Ausstattung, der Satz, das Lektorat: ich merke, dass das Team um dieses Buch ein wenig kleiner war und unter höherem Zeitdruck gearbeitet hat. Was dazu führen könnte, dass Menschen das Buch dadurch nicht so ernst nehmen, wie der Text es verdient hätte.

Auch in Wolonien ist eine tolle Vorlese-Geschichte, der ich aber ein wenig mehr Liebe in der Buchgestaltung gewünscht hätte.

Auch in Wolonien von Selim Özdogan erschien bei BOD – Books on Demand. Transparenz: Selim und ich kennen uns, was mich im besten Fall ehrlicher und unbarmherziger macht.